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Foto: N1 Trading

Interview mit Christian Landes, CEO N1 Trading.

1001111001110 – Asphalt wird digital

Diplom-Bau- und Wirtschaftsingenieur Christian Landes ist Gründer und Geschäftsführer von N1 Trading, Offenburg. Das Unternehmen bietet digitale Marktplätze und Softwarelösungen für den Handel von Baustoffen und möchte den kompletten Lebenszyklus eines Bauprojekts von der Planung bis zum Recycling abbilden.

50/70 – mit dieser Zahlenkombination können die meisten Straßen- und Tiefbauer etwas anfangen. Denn wir Menschen fassen unser Leben seit langem in Zahlen und Daten. Wer Daten auf clevere Weise analysiert, kann Geschäftsmodelle entwickeln, die vor Kurzem noch undenkbar gewesen wären. N1 Trading ist so ein Unternehmen, das sich mit maschinellem Lernen – der künstlichen Generierung von Wissen aus Erfahrung beschäftigt.

Warum ist Künstliche Intelligenz ein wichtiges Thema für die Baubranche?

Landes: Fragen Sie einen Straßen- und Tiefbauer, ob er mit der binären Zahlenkombination „1001111001110“ etwas anfangen kann, werden sie heute sehr wahrscheinlich die Antwort erhalten: „Lasst mich mit euren Bits und Bytes in Ruhe…“ Dabei steht der Binärcode für das Bindemittel 50/70, nur eben in der Sprache der Computer. Ergänze ich diese Information noch um das Wissen, dass die Sorte für den Einsatz in Asphalttragschichten in den Belastungsklassen Bk 0,3 bis Bk 1,0 geeignet ist, dann haben wir schon einen ersten Schritt in Richtung einer Asphalt-KI gemacht.

Jede neugelernte Information wird in einem sogenannten neuronalen Netz verknüpft. Wie bei Kindern, bei denen sich durch wiederholte Erfahrung Nervenstränge im Gehirn ausbilden, etwa wenn sie das Laufen lernen. So funktioniert das auch bei künstlichen neuronalen Netzen. Die Lernkurve wird dadurch sehr steil. 1001111001110 – Asphalt wird digital. So einfach ist das eigentlich. Überlässt man diese Entwicklungen aber anderen, besteht die Gefahr abgehängt zu werden.

Das heißt, jeder sollte sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen?

Landes: Ja. Denn KI ist ein treibendes Element der Digitalisierung der Wirtschaft. Aus meiner Sicht ist die Baubranche sehr technologieaffin, hat aber einen starken Nachholbedarf, was die Digitalisierung bei Marktprozessen angeht. Gerade in der Vergangenheit hat der eine oder andere gedacht, ich besitze Rohstoffe wie Sand und Kies und verbaue Beton und Asphalt, was interessieren mich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Mit der KI-Technologie lässt sich für Unternehmen aber viel Zeit und Geld sparen, etwa wenn künftig für die Erstellung von Angeboten Minuten statt Stunden benötigt werden. Allein deshalb sollte sich jedes Unternehmen mit der Digitalisierung von Prozessen beschäftigen. Gerade an der Schnittstelle zum Kunden. Sonst werden früher oder später andere den Job machen, diesen Trend können wir ja bereits heute im Markt erkennen. Um da nicht zurückzufallen, bieten wir interessierten Unternehmen unsere Hilfe an.

Ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bisher nur eine schöne Idee oder arbeitet N1 bereits tatsächlich in der Praxis damit?

Landes: Künstliche Intelligenz ist nicht nur Theorie. Unsere neutralen digitalen Marktplätze für den Handel mit Asphalt Easphalt und Schüttgütern wie Sand und Kies Eminerals laufen bereits seit einiger Zeit. Die ersten individuellen KI-Software-Produkte sind auch schon einsatzbereit. Durch die Auszeichnung beim KI-Innovationswettbewerb und das damit verbundene Preisgeld werden wir unsere Prozesse und das Wachstum nun sogar beschleunigen. Die Unternehmen profitieren zudem von unserer Kooperation mit Greenprofi, Deutschlands führendem Bauinformationsdienst für öffentliche Ausschreibungen, Bauprojekte und Submissionsergebnisse im Tiefbau. Durch eine passende Schnittstelle können unsere Kunden in den Anwendungen ihr Greeenprofi-Datenabo hinterlegen. Dadurch ist nicht nur die Datendurchgängigkeit gewahrt, man kann auch sofort mit den KI-Analysen beginnen.

Sie sprechen von einer Digitalisierung des Bauzyklus`. Welche Vorteile bringt Ihre KI nun konkret Bauherren, Bauunternehmern und auch Baustoffherstellern?

Landes: Durch eine Optimierung ihrer Prozesse können etwa Baustoffhersteller ihre Ressourceneffizienz erhöhen und beispielsweise von einer Zeitersparnis und einer effizienteren Marktbearbeitung profitieren, etwa bei der Erstellung von Angeboten. Durch unsere KI haben die Hersteller künftig ganz individuell zum richtigen Zeitpunkt und für den richtigen Ort das passende Angebot parat – und zwar auf Knopfdruck. Das macht unsere Produkte natürlich auch für Bauunternehmen interessant. Die KI hilft ihnen beim Lesen und Auswerten von Leistungsverzeichnissen. Was soll wann, wo und wie gebaut werden und ist das für sie interessant? Davon profitieren wiederum die Bauherren bzw. der Planer. Denn je früher und detaillierter ein Angebot ist, umso höher sind die Kosten- und Planungssicherheit. So fügt sich ein Rädchen ins andere.

Wie sind Sie auf die Idee zum (ausgezeichneten) N1-Geschäftsmodell gekommen?

Landes: Ich beschäftige mich schon seit dem Studium mit dem Wandel in der Baubranche und den Stufen der digitalen Transformation. Wirtschaft 1.0, 2.0 und 3.0 – bis zu diesem Punkt stand das Produkt im Mittelpunkt der Überlegungen. Wenn es nun aber um die Wirtschaft und den Vertrieb 4.0 geht, dreht sich alles um die Nutzer und Kunden, um smarte Lösungen und neuronale Systeme, die ohne den Einsatz von KI nicht möglich wären.

Es wird immer wichtiger zu verstehen, was bewegt den Kunden, welche Bedürfnisse hat er und welche Probleme liegen bisher in Geschäftsprozessen begraben, etwa bei der Arbeit mit Leistungsverzeichnissen. Es geht darum ein Bauvorhaben zu entschlüsseln, sozusagen dessen DNA mit Hilfe von KI zu verstehen und ein tiefgreifendes Verständnis dafür zu entwickeln, was wird wann, in welcher Menge und wo benötigt, um dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Eine Herausforderung bei den Leistungsverzeichnissen ist beispielsweise die Entschlüsselung der Fachsprache. Unsere neuronalen Netze lernen ständig dazu, auch wie nachgeordnete Abhängigkeiten von Normen oder ein spezifischer Aufbau funktioniert. Dadurch entsteht nach und nach ein Tiefenwissen, aus dem sich weitere Applikationen und Lösungen entwickeln lassen. Die automatisierte Analyse von Leistungsverzeichnissen ist daher für uns nur die Spitze des Eisbergs. Wir denken langfristig an ein digitales Ökosystem Bau, das aus digitalen Marktplätzen und Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) besteht.

Was muss man sich unter Software-as-a-Service-Lösungen bei N1 vorstellen?

Landes: SaaS-Anwendungen von N1 ermöglichen es Firmen, neue Technologien nahtlos und effektiv in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren. Die Software wird nicht mehr gekauft, sondern als Cloud-Lösung je nach Bedarf in einem Abo-Modell gemietet, etwa für die Analyse von Leistungsverzeichnissen. Die Zeitersparnis durch unserer Applikation  – was muss angefragt oder angeboten werden – kann sofort in die direkte Ansprache von Kunden oder Lieferanten fließen. Ein anderes Beispiel ist der Projektfinder. Dieser ermöglicht eine übersichtliche Darstellung von am Markt befindlichen Projekten, laufenden Baustellen und eigenen Werken. Mit nur einem Click lässt sich die KI basierte LV-Analyse starten.

Eine andere App heißt Site-Depot. Sie unterstützt Firmen bei ihrem Stoffstrommanagement und damit bei der Kalkulation von Projekten. In einer kartographischen Darstellung werden Gebote und Gesuche von Überschussmaterial gezeigt, also wo gibt es etwa auf Baustellen Erdhaufen, die nicht mehr gebraucht werden, und wo sind Kippstellen, die Material zum Verfüllen benötigen. Durch die entstehende Transparenz können Bauunternehmen ihre Kosten, aber auch ihre Stoffströme und damit den Ressourcenverbrach optimieren, zumal die Künstliche Intelligenz auch Delta-Mengen berechnet, Deponieklassen berücksichtigt oder pro-aktiv Vorschläge macht, auf welchen anderen Baustellen in der Region welches Überschussmaterial demnächst benötigt wird.

Diese Applikation haben wir mit einer innovativen Baufirma aus Baden-Württemberg entwickelt. Ihr ging es darum, die Unternehmensstrategie nachhaltig, CO2- und ressourceneffizient auszurichten. Site-Depot ist hier nun eine tragende Säule.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie bzw. für Ihr Geschäftsmodell?

Landes: Mittlerweile hat jeder verstanden, dass die Zeiten des Faxgeräts vorbei sind. Für uns ist es nun die Herausforderung, jeden Kunden auf der Stufe abzuholen, auf der er aktuell steht. Wie immer finden sich hier im Markt ganz unterschiedliche Ausgangssituationen. Da kann es durchaus auch mal vorkommen, dass wir uns zunächst mit der Qualität von Stammdaten auseinandersetzen müssen. Beim Aufbruch in ein neues Zeitalter muss da halt einmalig aufgeräumt werden. Wir haben bisher aber noch niemanden getroffen, der nicht nach kurzer Zeit versteht, dass dies eine Investition in die Zukunft ist. Denn auch hier gilt: Daten sind das neue Gold. Und wenn man das richtige Team an Software-Experten an seiner Seite hat, ist es auch nicht schwieriger als eine Tonne Sand, Kies oder Asphalt zu verbauen.

„Die ersten individuellen KI-Software-Produkte sind schon einsatzbereit.“

„Die KI hilft Bauunternehmen beim Lesen und Auswerten von Leistungsverzeichnissen.“

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Foto: N1 Trading In der sogenannten Matching-App werden relevante LV-Positionen automatisch ermittelt und im Abgleich mit dem ERP-System ein automatisierter Angebotsvorschlag erzeugt.
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Foto: N1 Trading Der Projektfinder ermöglicht eine übersichtliche Darstellung von am Markt befindlichen Projekten, laufenden Baustellen und eigenen Werken.
Foto: Wirtschaftsministerium RLP

Rheinland-Pfalz

Informationen über Baustellen stehen digital zur Verfügung

Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium hat das System „Baustelleninfo digital“ freigeschaltet. Mit der für Rheinland-Pfalz entwickelten Anwendung werden alle vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) betreuten Baustellen und Umleitungen digital erfasst und veröffentlicht.

Foto: ZDB

Interview mit Christine Buddenbohm

„Potenziale für die Kreislaufwirtschaft werden verschenkt“

Auf der einen Seite ein Monitoring-Bericht, der suggeriert, alles in Ordnung, auf der anderen Seite verzweifelte Bauunternehmen, die nicht wissen, wohin mit den ausgebauten mineralischen Abfällen und Bodenaushub. Wie steht es aktuell um das Wiederverwenden von Baustoffen?

Foto: VRD - stock.adobe.com

Veranstaltung

Symposium zum digitalen Asphaltstraßenbau

Die BASt lädt am 25. März nach Bergisch Gladbach zu einem Symposium ein, im Zuge dessen ein Blick in die Zukunft des Asphaltstraßenbaus geworfen und diskutiert werden wird, der vor allem von der Digitalisierung der Prozesse geprägt sein wird.

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