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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH
Fugenbänder gibt es in verschiedenen Ausführungen

Asphalt

18 Praxistipps rund um Fugen, Nähte und Anschlüsse

Fugen, Nähte und Anschlüsse dienen dazu, haltbare Verbindungen zwischen andersgearteten Materialien zu schaffen und müssen deshalb mit hoher Sorgfalt ausgeführt werden.

Sie gleichen die thermischen Bewegungen aufgrund der ungleichen Materialeigenschaften zwischen unterschiedlichen Asphalten – also zwischen alter und neu erstellter Fahrbahn oder verschiedenen Mischgutsorten – oder zwischen Asphalten und Einbauteilen aus. Geschieht dies nicht, sind Schäden vorprogrammiert. Von Rissen angefangen bis hin zur Schädigung der Fahrbahnkonstruktion durch eindringendes Wasser.

1. Was gilt

Als wichtigster Grundsatz gilt: Der Anschluss ist in der Deckschicht als Fuge herzustellen. Also überall dort, wo unterschiedliche Werkstoffe aneinander treffen, müssen Fugen hergestellt werden.

Die ZTV Fug-StB 15 umfasst Baugrundsätze, die Dimensionierung und Herstellung von Fugen, die dabei zu beachtenden Witterungsverhältnisse und die Anforderungen an den Fugenspalt.

Ergänzt werden sie um TL und TP Fug-StB 15, die die Eigenschaften von Fugenfüllsystemen und Prüfbedingungen beschreiben sowie die DIN EN 14188-1, die die Anforderungen an die Fugenvergussmassen definiert.

Die Regelungen zu Nähten und Randabdichtungen sind in der ZTV Asphalt-StB 07/13 aufgeführt. Dabei wurden Aspekte des zuvor gültigen „Merkblatt für Schichtenverbund, Nähte, Anschlüsse und Randausbildung von Verkehrsflächen aus Asphalt“ (MSNAR) integriert.

2. Von Beginn an einplanen

Schon bei der Planung einer Baumaßnahme sollte die Lage der zukünftigen Fuge berücksichtigt werden. Fugen sollten nicht in der Rollspur oder unter Markierungen liegen.

3. Voraussetzungen

Die Fugen dürfen nur bei trockener Witterung und einer Oberflächentemperatur der Fugenflanken über 0 °C verfüllt werden. Die Haftflächen müssen trocken, sauber, staubfrei und frei von Trennmittel sein. Damit die Fugenmassen auch haften, bedarf es immer eines Voranstrichs.

4. Der Fugenschnitt

Der Fugenschnitt muss eine Tiefe analog der Dicke der zu verfugenden Schicht aufweisen und mindestens 10 mm breit sein. Maschinelle Fugenschneider trennen nicht nur passgenau, sondern saugen den dabei entstehenden Staub während des Schneidens auf. Der Primer kann anschließend sofort aufgebracht werden.

Nassschnittgeräte verursachen nicht nur viel Schmutz, so dass die Fläche anschließend gereinigt werden muss, sondern sorgen auch dafür, dass die Fugenflanke stark poliert wird. Dies beeinträchtigt durchaus die Adhäsion zwischen Fugenflanke und Vergussmasse.

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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH Fugen werden am besten mit einem Trockenschnittgerät erstellt, das mit einer Absaugung ausgerüstet ist

5. Fugenschnitt ohne schneiden

Einen Fugenschnitt herzustellen ohne zu schneiden ist generell mit einem Fugeneindrückrad machbar, das an der Bandage einer Walze angebracht wird.

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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH Ein Fugeneindrückrad an der Bandage einer Walze ist sehr hilfreiche, macht sie doch den Fugenschnitt überflüssig

6. Wenn‘s problematisch wird: Fugenabstellbänder nutzen

Wo das Schneiden anhand der Baustellensituation von vornherein schwer durchzuführen ist – wie an Schrammborden bei Brücken oder in Fahrsiloanlagen – haben sich Fugenabstellbänder durchgesetzt. Sie erweisen sich als wesentlich einfacher in der Handhabung und kostengünstiger als Stahlbänder oder Holzlatten.

Die Fugenabstellbänder bestehen in der Regel aus Polyethylen, sind hochtemperatur- und druckfest und in verschiedenen Breiten und Höhen sowie auch selbstklebend erhältlich. Sie werden vor dem Asphalteinbau verlegt und können nach dem Abkühlen des Asphaltes leicht entfernt werden.

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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH An schwierig zugänglichen Stellen sorgen zuvor verlegte Abstellbänder, die nach dem Asphalteinbau leicht zu entfernen sind, für die maßgenaue Fuge

7. Für Straßenkappen Fugenringe verwenden

Ein Fugenschnitt um Einbauteile ist aufgrund der Geometrie (rund oder sehr klein) kompliziert und wird deshalb oft ganz unterlassen. Mit der Folge, dass im Raum zwischen Asphalt und Einbauteil ein Spalt entsteht und Wasser eindringen kann, so dass die Konstruktion geschädigt wird. Mittlerweile sind auf dem Markt Straßenkappen mit Fugenringen erhältlich. Nach dem Walzen wird der abnehmbare Kunststoff-Fugenring aus dem Kappen-Oberteil entfernt, meist reicht dafür ein Schraubendreher aus. Der Fugenring gibt einen definierten Raum für die Vergussmasse frei.

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Foto: G+W Armaturen GmbH Damit Fugen auch bei komplizierten Geometrien erstellt werden können, eignen sich Kappen, die nach dem Asphalteinbau entfernt und verfüllt werden

8. Die richtige Fugenmasse finden

Die DIN EN 14188-1 unterscheidet 2 Arten von Fugenvergussmassen. Bei Typ N1 handelt es sich um eine elastische Fugenmasse, die eine Dehnung von 35 % aufweist. Der Typ N2 umfasst plastisch-elastische Fugenmasse mit 25 % Dehnung. Er ist für Asphalt- und Betonbeläge zugelassen und darf befahren werden.

Über das deutsche Regelwerk weiterhin zugelassen sind Schienen- und Pflasterfugenmassen, Rissmassen, Fugenprofile und Fugenbänder.

An Fugenmassen gibt es die unterschiedlichsten Produkte. Neu am Markt sind Fugenmassen, die sowohl als Fugenverguss, als auch als polymermodifizierter Nahtkleber oder als polymermodifizierte Randabdichtung eingesetzt werden können. Diese Produkte decken also mehrere Anwendungen ab.

Andere Produkte sind besonders in ihrer Anwenderfreundlichkeit durchdacht. Manche benötigen keinen Voranstrich mehr und ihre Verpackung ist Teil des Produktes. Sie wird nicht entfernt und ist mit 15 Minuten im Kocher schnell mit aufgeschmolzen.

9. Technik hilft

Moderne Fugenmassen müssen auch mit modernen Geräten aufgeschmolzen werden. Alte Geräte sind oft nicht in der Lage, polymermodifizierte Massen wirkungsvoll aufzuschmelzen.

10. Was gute Vergusskocher charakterisiert

Fugenvergusskocher müssen heute indirekt beheizt sein (wie ein Heißluftsystem), über ein Rührwerk verfügen und eine Temperaturüberwachung ermöglichen. Letzteres bedarf mindestens einer Temperaturanzeige, möglichst aber ein Temperatursteuerungssystem. Größere Geräte sind mit Pumpeinheit und Lanze ausgerüstet.

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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH Fugenmassenkocher müssen indirekt beheizt werden, über ein Rührwerk verfügen und eine Temperaturüberwachung ermöglichen

11. Wann zum Fugenband greifen?

Fugenbänder eignen sich dann, wenn wenig Bewegung in der Konstruktion vorliegt. Denn sie verfügen aus technischen Gründen nur über eine Bewegungsaufnahme von 10 %. Ein 1 cm breites Fugenband gleicht also nur Bewegungen von 1 mm aus.

12. Damit Fugenbänder halten

Bevor das Fugenband angebracht wird, empfiehlt sich der Voranstrich mittels Primer, denn dieser bindet den Staub und füllt Unebenheiten aus, so dass die Adhäsion nicht beeinträchtigt wird.

13. Die richtige Höhe

Die Höhe des einzusetzenden Fugenbandes muss 5 mm über der Schichtdicke betragen. Nur so entsteht nach dem Walzen ein „Nietkopf“, damit die Fläche auch wirklich abgedichtet ist.

14. Welches Band wofür

Die Produktpalette an Fugenbändern ist umfangreich: sie reicht von anschmelzbaren Bändern, die einen Anstrich benötigen, über selbstklebende, die eine saubere Flanke und exaktes Arbeiten erfordern, bis hin zu Fugenbändern mit speziellen Formen, besonderen Aufschmelzstreifen oder für die kalte Jahreszeit.

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Foto: Nadler Straßentechnik GmbH Fugenbänder gibt es in verschiedenen , hier mit Ausführungen vorbereitetem Nietkopf

Für kleine Maßnahmen, bei denen es sich nicht lohnt, einen Kocher einzusetzen, werden Kaltvergussmassen angeboten. Sie stehen in Form von Kartuschen zur Verfügung, deren Restmenge gut verschlossen durchaus ein Jahr verwendbar ist.

15. Nähte und Ränder – grundsätzliches

Die beste Naht ist keine Naht. Nähte entstehen, wenn bahnenweise gleiches Kaltmischgut eingebaut wird, entweder „heiß an heiß“ oder „heiß an kalt“. Beim Einbau „heiß an kalt“ müssen gemäß ZTV Asphalt-StB 07/13 Nahtkleber verwendet werden.

16. Der richtige Nahtkleber

Mindestanforderungen an diese Nahtkleber aus Bitumen, polymermodifizierten Bitumen oder bitumenhaltigen Bindemitteln regeln die TL SBit-StB 15. Es wird zwischen kalt zu verarbeitenden lösemittelhaltigen, kalt zu verarbeitenden lösemittelfreien und heiß zu verarbeitenden Nahtklebern unterschieden.

17. Nahtkleber richtig einbauen

Eine Menge von mindestens 50 g/pro cm Naht je laufendem Meter an Nahtkleber ist vorgeschrieben. Eine zu große Menge führt zu Überfettungen und deren Folgen an Baumaschinen und der Konstruktion.

Um dem vorzubeugen, ist auch geregelt, dass eine Naht nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von 45 bis 60 ° auszuführen ist.

Auch für Nähte stehen dem Markt Geräte zur Verfügung, die bei der Applikation behilflich sind. Dennoch sind auch hier ein gewisses Know-how und Routine empfehlenswert.

18. Alles rund um die Abdichtung

Ränder von Asphaltflächen müssen abgedichtet werden, damit von außen kein Wasser in den Straßenbaukörper eindringen kann. Bei der Randausbildung ist eine Versiegelung mit Bindemittel auf der gesamten Flankenfläche mit mindestens 40 g/cm Schichtdicke und laufendem Meter Einbaulänge heiß aufzutragen.

Wie die Versiegelungsmassen beschaffen sein müssen, regelt auch hier die TL Sbit-StB 15.

Die Applikation sollte bei trockenem und nicht zu kaltem Wetter erfolgen. Geräte dafür sind in unterschiedlichen Größen und Ausstattungen erhältlich. Außerdem sind sie auch zur Miete verfügbar.

Diese Praxistipps fußen auf einem Beitrag von Matthias Geißler, Geschäftsführer der Nadler Straßentechnik GmbH, der in der „Asphalt & Bitumen“ erschienen ist. Wollen auch Sie solche Praxistipps immer mal wieder lesen? Die Fachzeitschrift lässt sich hier abonnieren.

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Foto: Denso

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