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Viele Unternehmen müssen derzeit abwägen
Foto: AdobeStock/DDRockstar
Viele Unternehmen müssen derzeit abwägen

Wirtschaft

Bauwirtschaft im Dilemma

Unternehmen sehen in der Nachhaltigkeit die größte Herausforderung – sind aber mit Krisenbewältigung ausgelastet.

Die nachhaltige Geschäftsausrichtung hat für die Bauwirtschaft die höchste strategische Priorität, wie eine aktuelle Branchenbefragung der Managementberatung Horváth zeigt, zu der eine repräsentative Auswahl an 20 Vorstandsmitgliedern aus relevanten Unternehmen der Bauwirtschaft im Juni 2022 interviewt wurden.

Bestätigung. der Wichtigkeit

68 % halten ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept für sehr wichtig, weitere 32 % für wichtig. Damit landet Sustainability bei Unternehmen aus Building & Construction mit Abstand auf dem ersten Platz der wichtigsten strategischen Themen. Branchenübergreifend landet das Thema erst an dritter Stelle.

Doch die Bauunternehmen kommen in der Bearbeitung ihres Topthemas nicht voran, weil im Geschäftsalltag Probleme wie Preiserhöhungen oder Fachkräftemangel drängender zu lösen sind.

„Auch wenn es einen Kraftakt bedeutet, sollten die Unternehmen strategisch wichtige Nachhaltigkeitsthemen wie den Bezug nachhaltiger Baustoffe oder die Kreislaufwirtschaft trotz akuter Baustellen jetzt angehen, sonst sucht sich der Wettbewerb die besten Partnerunternehmen und Fachkräfte in diesem strategischen Kernthema“, sagt Ralf Rauter, Studienleiter und Partner bei Horváth.

Krisenfolgen trüben Geschäftsaussichten ein

Vor allem die Folgen des Ukraine-Kriegs treiben die Preise von Baumaterialien. 61 % der befragten Unternehmen geben einen sehr hohen Einfluss der gestiegenen Baupreise auf die Branche an. Weitere 22 % einen hohen Einfluss. Es mangelt an vielen Materialien wie Stahl und Bitumen, größere Projekte wie Brücken und Autobahnen geraten ins Stocken. Eine Entspannung der Lieferengpässe wird vorerst nicht erwartet. Die derzeit schwankenden Einschätzungen zur Entwicklung des Umsatzes in der Bauwirtschaft liegen unter dem Branchendurchschnitt.

Transformationen drohen auszubleiben

Gefragt nach den Themen, die das Management gerade mit Hochdruck bearbeitet, nennen die Befragten wenig überraschend an erster Stelle die Bewältigung der Preissteigerungen, gefolgt von der Rekrutierung dringend benötigter Fachkräfte sowie einer resilienten Aufstellung von Lieferketten. Strategien zum Bezug nachhaltiger Materialien landen erst an vierter Stelle.

Nur 37 % der Befragten räumen diesem Thema aktuell eine sehr hohe Relevanz ein. Ebenso wenige sagen dies in Bezug auf die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft (Cradle-to-Cradle) sowie die Optimierung der Energieeffizienz. Dabei haben einige Bauunternehmen gar keine so schlechte Ausgangsposition, da sie bereits vor der Krise einen guten Teil ihrer „Hausaufgaben“ in Sachen nachhaltiger Aufstellung gemacht haben. So setzen bereits 34 % Maßnahmen aus einem entwickelten Nachhaltigkeitszielbild um. Branchenübergreifend sind es nur 29 %. Doch haben 44 % der Unternehmen aus Building & Construction noch gar kein Zielbild definiert.

Neben Nachhaltigkeitsthemen gerät auch die Digitalisierung in den Schatten der drängenden aktuellen Herausforderungen. Die Bedeutung von Gebäudeautomation etwa sank im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozentpunkte. Building Information Modelling, der cloudbasierte ganzheitliche Prozess für ein Bauprojekt, schafft es in diesem Jahr nur auf den 8. Rang der Faktoren mit dem größten Einfluss auf die Branche. Ein Verlust von 5 Prozentpunkten zum Vorjahr. Nur 16 % halten dies noch für sehr wichtig. „Digitalisierung und Nachhaltigkeit treiben sich wechselseitig und sollten daher integriert bearbeitet werden“, so Horváth-Experte Ralf Sauter. (MAI/RED)

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