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Foto: MTS

Interview

Der Saugbagger macht Markt

Frank Walther, Geschäftsführender Gesellschafter der MTS, im Gespräch.

Vor gut 30 Jahren kamen die ersten Saugbagger auf den Markt. Anfangs Spezialisten, die nahezu ausschließlich im Tiefbau zu finden waren, eroberten sich die Maschinen dank überzeugender Weiterentwicklungen und Verbesserungen zusätzliche Anwendungsbereiche. Seither wächst die Population beständig. Allein aus dem Werk in Germersheim kommen monatlich zwanzig Maschinen dazu.

Herr Walther, Saugbagger gibt es seit rund 30 Jahren auf dem deutschen Markt. Täuscht der Eindruck, dass es sich dabei um ein Nischenprodukt handelt?

Walther: Der Saugbagger war im Tiefbau über viele Jahre tatsächlich ein eher unbekanntes Nischenprodukt. Nur wenige Spezialisten, die die Maschine und ihre Vorteile kennengelernt hatten, wollten sie nicht mehr hergeben.
Dennoch dauerte es noch eine Weile, bis sich die Technik im Tiefbau durchsetzen konnte. Die Ursachen dafür liegen u.a. in den teilweise negativen Erfahrungen, die die Bauleiter mit den Geräten gemacht hatten. Und dafür gab es durchaus nachvollziehbare Gründe. Denn die ersten Geräte waren bei weitem nicht so gut ausgestattet und leistungsstark wie die nachfolgenden Generationen. Erst bahnbrechende Entwicklungen wie der Kraftarm, der es gestattet, das Saugrohr in das Erdreich einzudrücken, oder unser 2009 vorgestellter drehbarer Saugrohrkopf, mit dem sich das Material besser lösen lässt, die verbesserte Filtertechnik, die Einführung der leistungsfähigeren Multiventilatoren-Technik ab 2004, mit denen die Saugleistung verdoppelt und sogar vervierfacht werden konnte, haben den Saugbagger populärer gemacht. Die leistungsfähigeren Ventilatoren gestatteten nun das Streckensaugen auf Längen bis über 100 m, abhängig von dem jeweiligen Material und dem Einsatz von Mehrfachventilatorentechnik sogar bis über 200 m.
 

Welche folgen hatten diese Entwicklungen?

Walther: All dies führte dazu, dass ab 2005 über die klassischen Anwendungen im Tiefbau hinaus ein Dienstleistungsgewerbe entstand, das Bereiche bedient wie Industrie, Umwelt und Gleisbau bzw. -sanierung usw.
Wir hatten anfänglich rund 80% unserer Kunden im klassischen Tiefbau, der Rest ging an Dienstleister, die den Saugbagger für andere Anwendungen nutzten. Heute liegt der Anteil im Tiefbau bei 30%, und 70% der Maschinen werden von Dienstleistern erworben, die in der Regel auch mehrere Geräte im Einsatz haben.
 

Kauft der klassische Tiefbauer bei Ihnen einen Saugbagger?

Walther: Ja. Denn die Maschine erspart ihm z.B. die unbeliebte Handschachtung beim sensiblen Kabel- und Leitungsbau. Zudem haben die Unternehmen Probleme, für derartige Tätigkeiten überhaupt noch engagiertes Personal zu finden.
Weitere Vorteile sind die Sicherheiten beim Saugen gegenüber der unterirdischen Infrastruktur vor Beschädigungen. Ein weiteres Thema, das in Kommunen immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Sensibilisierung gegenüber dem vorhandenen Baumbestand, den es zu schützen gilt. Darum fordern ausschreibende Behörden bei Eingriffen in den Boden zunehmend, die Wurzeln der Bäume zu schonen. Das geht nur mit dem Saugbagger, der bei empfindlichen Eingriffen in den Lebensraum von Bäumen von Städten wie Hamburg explizit in den Ausschreibungen gefordert wird.
 

Wie groß schätzen Sie die Population dieser Geräte in Deutschland und international ein, und wie groß ist Ihr Anteil daran?

Walther: Die MTS gehört zu den zwei größten Herstellern …
 

In Deutschland …?

Walther: Nein, weltweit. RSP hat ein wenig früher als wir angefangen und 1992 den ersten Saugbagger verkauft. Die Kollegen aus Thüringen haben bereits vor zwei Jahren ihren 1.000. Saugbagger gebaut, diese Produktionszahl haben wir im vergangenen Jahr überschritten.
Insgesamt sind weltweit etwas mehr als 2.500 Maschinen unterwegs. In Deutschland schätze ich den Bestand auf rund 400 Saugbagger.
 

Anfang letzten Jahres haben Hersteller, Vermieter und Betreiber während des VDBUM-Seminars die Fachgruppe Saugbagger gegründet. Was ist deren Aufgabe, und was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?

Walther: Unter dem Dach des VDBUM haben sich in der Fachgruppe etwa 100 Unternehmen zusammengefunden. Eines der zentralen Ziele ist es, das Saugbaggern als modernste, zertifizierte Einsatztechnik und extrem sichere Arbeitsweise noch bekannter zu machen. Hier wird u.a. die Berufsgenossenschaft in die Projekte integriert. Dazu kommt unser Anliegen, für eine qualifizierte Ausbildung der Fahrer zu sorgen sowie den Saugbagger mit seinen innovativen Eigenschaften durch gezieltes Marketing und Lobbyarbeit noch bekannter zu machen und weiter zu verbreiten.
 

Die Vorzüge der Sauger sind hinlänglich bekannt. Gerade bei Kanal-, Rohrleitungs-, Kabelbau und Bodenaustausch leisten sie wertvolle Dienste. Gibt es weitere sinnvolle Anwendungen im Tiefbau?

Walther: Im Prinzip sind damit die wesentlichen Einsatzbereiche im Tiefbau genannt. Gute Dienste leisten die Maschinen darüber hinaus bei Havarien von Gas- und Wasserleitungen. Und ebenso beim Absaugen von Bentonit bei Horizontalbohrungen, beim Reinigen von Gräben, Randmittelstreifen und Straßeneinläufen. Aber auch Feststoffe und Sedimente im Kanal saugen sie ab.
 

Wie steht es denn um Flüssigboden?

Walther: Kein Problem. Ebenso wie schwere Lehmböden. Denn wir haben einen starken Kompressor mit an Bord, mit dem wir Luftlanzen und Luftspaten betreiben können, sowie – wie bereits erwähnt – den Kraftarm und den drehbaren Saugrohrkopf. Alle diese Features gehören mittlerweile zum Standard eines Saugbaggers. Sie gestatten ein sicheres und effizientes Arbeiten.
 

Wie viele Modelle haben Sie zurzeit im Angebot?

Walther: Wir haben sechs klassische Modelle, die auf einem Lkw aufgebaut sind, sowie verschiedene Aufbauten, die raupenmobil unterwegs sind. Dazu kommen Spezifikationen für die Bahn als Zwei-Wege-System.
In Dänemark, das nur am Rande, wird zurzeit das komplette Bahnnetz elektrifiziert. Dazu müssen Masten für die Oberleitungen aufgestellt werden. Eine von uns entwickelte raupenmobile Zwei-Wege-Maschine schafft dort statt der vorgegebenen vier Löcher für die Mastfundamente 24 und übertrifft damit die Erwartungen um das Sechsfache.
Unser Verkaufsschlager ist jedoch der Saugbagger mit zwei Ventilatoren auf einem Vierachser-Tridem-Fahrzeug mit gelenkter Nachlaufachse. 70% unserer Kunden entscheiden sich für diese Variante. Gefolgt von dem klassischen Dreiachser, entweder mit gelenkter oder starrer Nachlaufachse. Nahezu alle anderen Modelle sind Variationen dieser gängigen Typen. Das heißt, sie verfügen über unterschiedliche Behältergrößen für das Sauggut oder mehr Ventilatoren.
Übrigens 80% der Maschinen, die unser Werk verlassen, werden hydrostatisch angetrieben. Damit können sie per Funkfernsteuerung gefahren und gelenkt werden.
 

Die mobilen Maschinen sind technisch weitgehend ausgereift. Dennoch kommen Sie gerade mit einem kleineren Gerät. Steckt mehr dahinter als Flottenkosmetik?

Walther: Selbstverständlich. Unser Sauger Dino-City ist auf Wunsch der Kunden nach einem preiswerten und kompakteren Einsteigermodell entwickelt worden. Er hat einen etwas kleineren Schlauchdurchmesser und bringt ca. 70% der Saugleistung der großen Modelle. Für sehr viele Anwendungsgebiete reicht dies allerdings völlig aus. Ein Tiefbauer nutzt bei unseren großen Modellen in der Regel nur 50% der vorhandenen Leistung. Und – ganz wichtig: 80% der Effizienz einer Maschine, egal von welchem Hersteller, macht der Bediener aus, indem er die sinnvollsten Werkzeuge und Techniken vor Ort anwendet.
 

Wie sehen Sie die Zukunft der Saugbagger? Woran arbeitet Ihre Entwicklungs-Abteilung gerade?

Walther: Wir arbeiten insbesondere daran, die Wirtschaftlichkeit unserer Maschinen zu verbessern. D.H. wir optimieren permanent den Dieselverbrauch. Daneben verbessern wir das HMI-Interface, das ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Vor dem geschilderten Hintergrund, wie überaus wichtig die Qualität des Bedieners für das effiziente Arbeiten mit den Maschinen ist, wird deutlich, dass es hier bei der Handhabung noch große Ressourcen gibt.
Dazu möchten wir den Verschleiß des Saugbaggers reduzieren, um die gesamten Betriebskosten zu senken. Wir haben weitere Varianten von Kraftarmen und Filtersystemen entwickelt, die auf unterschiedliche Anwendungen hin ausgelegt sind.
 

Und wie sieht es mit Digitalisierung und Elektrifizierung aus?

Walther: Unsere Entwicklungsabteilung ist auch an diesen Themen dran. Wir betreiben dazu aktuell einige detaillierte Studien. Ein Kernproblem bei elektrischen Antrieben sind die erforderlichen Akku-Systeme für unsere Ventilatoren, die einen recht hohen Energiebedarf haben.
Sie dürfen sicher sein, wir sind vorbereitet, sobald der Markt entsprechende Speichermedien zur Verfügung stellt.
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Foto: MTS Eine typische Situation im Untergrund mit Leitungen, Kabeln und Rohren.
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Foto: MTS Präzise lässt sich bindiges Erdreich mit Luftspaten, Luftlanzen und dem Drehkopf am Kraftarm lösen und absaugen.
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Foto: MTS Dino in der City: Die kompakte Maschine wurde auf Kundennachfrage entwickelt.
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Foto: MTS Abkippen des Saugguts.
Foto: Foto: Prof. Dr.-Ing. Albert Daniels

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Foto: Robert Ruthenberg

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Foto: Foto: Sndgerath Pumpen GmbH

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