Die Gesellschafter der Schüttflix GmbH: Christian Hülsewig, Sophia Thomalla und Thomas Hagedorn (v. l.).
Foto: Schüttflix

Interview

DHL für Sand und Kies

Ein Gespräch über Schüttgüter und ihren Weg vom Werk zur Baustelle.

Inhaltsverzeichnis

Christian Hülsewig hat zusammen mit Hagedorn-Chef Thomas Hagedorn das Startup Schüttflix gegründet. Wir sprachen mit ihm über die Unternehmensentwicklung im Zeichen der Corona-Krise und wie es dazu kam, dass die Schauspielerin Sophia Thomalla bei der neuen Baustoff-App mitmischt. Das Interview führten wir während der Ausgangsbeschränkungen am 8. April telefonisch.

Herr Hülsewig, sitzen Sie im Büro oder wie viele andere auch im Homeoffice?

Christian Hülsewig: Ich bin ganz froh, dass ich ins Büro fahren kann. Ich habe größten Respekt davor, was meine Frau zu Hause leistet. Meine beiden Kinder haben das Konzept „Home-Office“ nämlich noch nicht so richtig verstanden, daher habe ich hier einfach mehr Ruhe. Es ist auch kaum jemand hier, sodass die Abstands-Regeln leicht einzuhalten sind. Unser Team besteht heute aus 20 Leuten. Unseren acht Büro-Mitarbeitern haben wir im Zuge der Krise freigestellt, ob sie von zu Hause arbeiten wollen. Jeder soll sich bei der Arbeit wohlfühlen, egal wo er oder sie sich gerade befindet. Das übrige Team ist im Außendienst tätig und arbeitet ohnehin vom eigenen Schreibtisch aus. Im Übrigen haben wir als junges Unternehmen von Anfang an auf digitale Kommunikation gesetzt.

Wie geht es Ihnen persönlich in der Corona-Krise?

Christian Hülsewig: Ich bin froh, dass ich bei guter Gesundheit bin und ganz zufrieden mit der geschäftlichen Entwicklung. Im Gegensatz zu anderen Branchen trifft die Krise die Baubranche nicht so hart. Das Wachstum von Schüttflix ist jedenfalls ungebrochen.

Bitte erklären Sie einmal, was Schüttflix genau anbietet?

Christian Hülsewig: Wir bieten eine App an, über die Sie Schüttgutmaterialien an die Baustelle liefern lassen können, also verschiedene Gesteinskörnungen, Baustoffgemische oder Recyclingmaterialien. Wer bestellen möchte, legt in unserem System einfach ein Bauvorhaben an. Das ist in wenigen Klicks erledigt: Zuerst erfolgt die Eingabe der Adresse unterstützt von Google Maps, anschließend müssen verschiedene Informationen hinterlegt werden, zum Beispiel die Befahrbarkeit der Baustelle, Name des Vorarbeiters und eine Kostenstelle. Dann können Kunden für dieses Bauvorhaben ganz einfach Bestellungen aufgeben. Bei Auswahl eines Produktes zeigt das System innerhalb von Sekunden die Preise frei Bau an. Also Material- inklusive der Transportkosten. Für die Berechnung der Transportkosten greift Schüttflix auf Google-Maps Livedaten zu und ermittelt so aus Fahrtstrecke sowie Fahrtzeit einen optimalen Preis.

Müssen Schüttgut-Anbieter oder Spediteure etwas dafür bezahlen, um bei Schüttflix gelistet zu werden?

Christian Hülsewig: Wir haben in Deutschland über 900 Partner, zum einen die Erzeuger und Händler von Schüttgut sowie zum anderen die Spediteure. Für beide Gruppen kostet die Aufnahme in unser System nichts. Unsere Außendienstmitarbeiter sind in ganz Deutschland unterwegs, um die Unternehmen auf Schüttflix aufmerksam zu machen. Unternehmen können sich natürlich auch bei uns über das Kontaktformular melden. Wir nehmen dann nach kurzer Zeit Kontakt zu unseren zukünftigen Partnern auf und vereinbaren einen Termin bei ihnen vor Ort, um sie bei den ersten Schritten persönlich zu unterstützen. Ein weiterer großer Pluspunkt für unsere Partner: Wir sind Vertragspartner und überweisen die Umsätze bereits am nächsten Werktag. Das Forderungsrisiko geht folglich an uns über.

Und wovon lebt Schüttflix?

Christian Hülsewig: Wir erhalten eine kleine Marge, die in den angezeigten Preisen für den Kunden bereits enthalten ist. Wenn der Lieferant zum Beispiel drei Euro pro Tonne verlangt und noch vier Euro Transportkosten pro Tonne hinzukommen, dann ergibt sich ein Einkaufspreis von sieben Euro. Dem Kunden wird beispielsweise ein Preis von 7,20 Euro angezeigt, der unsere Provision enthält.

Wie ist die Idee für Schüttflix entstanden?

Christian Hülsewig: Es war eine Kombination von Themen, die mir so passiert sind. Auf einem Bauernhof in Herford bei Bielefeld habe ich gemeinsam mit meinem Bruder eigene kleine Bauprojekte umgesetzt. Wir hatten zu Hause einen kleinen Radlader und einen Bagger und haben am Wochenende halt hier und da was umgebaut. Das hat mir immer viel Spaß gemacht. Allerdings lief öfter mal was schief. Wir haben drei Hofeinfahrten. Einmal hatte ich Schüttgut bestellt und fand ganze zwei Sattel davon am Samstagmorgen in der falschen Einfahrt vor. Wir brauchten zwei Stunden, um das Material an den richtigen Ort zu verfahren. Ähnliches passiert den großen Bauunternehmen regelmäßig, was dann richtig Geld kostet. Ich habe lange Zeit in den USA gelebt. Mir ist dort aufgefallen, dass die heutigen Technologien im Konsumentenbereich das Leben sehr vereinfachen, schauen Sie sich Uber oder Amazon an. Aber im Geschäftsbereich, wo es um sehr viel höhere Kosten und Umsätze geht, fehlt es an durchdachten innovativen Prozessen. Und so habe ich das Unternehmen mit Thomas Hagedorn, der selbst ein Abbruch- und Tiefbauunternehmen betreibt, gegründet. Der Schüttflix Bestell- und Lieferprozess ist so gestaltet, dass eine Fehlplatzierung nahezu ausgeschlossen ist.

Wie genau funktioniert der Lieferprozess?

Christian Hülsewig: Der Kunde kann beim Bestellvorgang den Abladeplatz auf den Meter genau bestimmen. Im ersten Schritt markiert man mit einem Pin den Abladeort auf Satellitenbildern von Google. Sollten diese Bilder veraltet sein oder möchte man es noch genauer, lässt sich auch ein Foto zu den Abladeinformationen hinzufügen. Die sehr präzise Aufnahme der Bestellung ist für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation, natürlich auch für den Fahrer, der von der Schüttflix-App geleitet wird und genau sieht, wo er langfahren muss. Häufig haben es die Fahrer mit engen Straßen zu tun und da der klassische Rohbau oft keine Hausnummer hat, kann ein Foto sehr hilfreich sein. Der Fahrer muss weniger schwitzen und bekommt alles, um seinen Job gut und richtig zu machen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Sophia Thomalla zustande?

Christian Hülsewig: Es war uns von Anfang an wichtig, Schüttflix als Marke zu etablieren. Die Baubranche ist bodenständig und ehrlich und wir wollten die „Echte-Kerle-Kampagne“ mit einer passenden Persönlichkeit fahren, die diese Charaktereigenschaften transportieren kann. Sophia Thomalla ist in unseren Augen eine emanzipierte Powerfrau, die sich von niemandem etwas sagen lässt. Daher waren wir der Meinung, dass sie das „Echte-Kerle-Ding“ am besten rüberbringen kann. Ich habe sie über meinen Geschäftspartner Thomas Hagedorn kennengelernt. Nachdem wir ein bisschen gequatscht haben und ich ihr unser Geschäftsmodell erklärt habe, sagte sie zu mir: „Okay. Aber nur Markenbotschafterin, das wird nix.“ Im November 2019 ist sie deshalb als Gesellschafterin bei uns eingestiegen, das sorgte für richtig Aufmerksamkeit. Kürzlich ist ein neun Meter breites Plakat über Nacht von einer Baustelle geklaut worden. Der Sophia-Banner-Diebstahl war RTL im Vorabendfernsehen einen Drei-Minuten-Beitrag wert. Ein Profi wie sie wirkt sehr anziehend auf die Medien und hilft uns beim Aufbau unserer Marke sehr.

Wie hat sich die Corona-Krise wirtschaftlich gesehen auf Schüttflix ausgewirkt?

Christian Hülsewig: Ich glaube eher positiv. Themen wie kontaktloses Arbeiten werden in Zukunft immer wichtiger. Über Schüttflix ist das problemlos möglich, denn der Prozess läuft ja komplett digital über das Smartphone. Sie müssen nicht einmal mehr einen Lieferschein ausdrucken, geschweige denn unterschreiben. Wir verzeichnen steigende Zugriffe auf unser System. Ob das nun an Corona oder am intensiven Marketing in den letzten Wochen liegt, kann ich nicht sagen.

Wie schätzen Sie die Zeit nach Corona ein?

Christian Hülsewig: Ich nehme an, dass sich das Kaufverhalten noch einmal mehr Richtung online verstärken wird und die Menschen eher von zu Hause aus bestellen. Und ich glaube, dass wir wieder mehr Produktion ins eigene Land holen, um uns vom Weltmarkt unabhängiger zu machen. Das wiederum bedeutet viel Arbeit für die Baubranche, schließlich müssen dafür die Logistik- und Produktionsstätten gebaut werden.

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