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Für die Bauwirtschaft wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden
Foto: AdobeStock/Oliver Boehmer
Für die Bauwirtschaft wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden

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Personal

Die Zuwanderung von Fachkräften wird unnötig erschwert

Die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. beklagt überlange Verfahrensdauer bei der Rekrutierung von ausländischen Fachkräften.

Für die Bauwirtschaft wird es immer schwieriger, ausreichend fachlich geeignetes und ausgebildetes Personal in die Bauunternehmen und auf die Baustellen zu holen. Die Politik verweist auf ausländische Fachkräfte als Lösung für das Problem. „Leider klappt das nicht so, wie wir das brauchen würden“, beklagt Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB).

Insbesondere die Bearbeitungsdauer der Anträge bei den Ausländerbehörden ziehe sich zu lange hin. Vielfach dauere es ein Jahr oder noch länger, bis ein einwanderungswilliger Facharbeiter tatsächlich einreisen und die Arbeit aufnehmen können. „Wenn sich hier nicht schnell etwas tut und die Verfahren erheblich beschleunigt werden, wird die Zuwanderung von Fachkräften zum Rohrkrepierer“, fordert Gilka von der Politik „einen kräftigen Anschub“

Neues Gesetz verfehlt Wirkung

Im Juni 2023 hat der Deutsche Bundestag die Novelle des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes beschlossen. Ausländische Fachkräfte sollten damit künftig leichter nach Deutschland kommen können. Drei Monate später ist die Ernüchterung allerdings groß: „Bis heute ist von der positiven Perspektive bei uns noch nichts angekommen“, zuckt BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka mit den Schultern. Gerade die Bauwirtschaft würde dringend ausländische Fachkräfte benötigen. „Aber in der Praxis funktioniert das einfach nicht“, klagt Gilka.

Mitgliedsbetriebe der BVMB berichten, dass es zum Teil ein Jahr oder länger dauere, bis ein Staatsangehöriger eines Nicht-EU-Landes einwandern könne. „Der große Bremsklotz sind die Ausländerbehörden“, nennt Gilka das Problem beim Namen. Schon bei den Botschaften im jeweiligen Ausland dauere es oft Monate, bis ein Ausreisewilliger einen Termin bekomme. Auch die Ausländerbehörden in Deutschland „kommen einfach nicht in die Gänge“, so der BVMB-Vertreter. Reaktionen auf Anfragen kämen oft erst mal gar nicht oder dauerten Wochen und Monate. „Das führt oft dazu, dass Sprachzeugnisse und sonstige Nachweise schon wieder abgelaufen sind, bis sich endlich was tut“, sagt Gilka weiter.

Ein Mitgliedsbetrieb habe beispielsweise einen marokkanischen Facharbeiter als Gleisbauer be-schäftigen wollen, erzählt Gilka. Er habe in seiner alten Heimat bereits seine Arbeit und Wohnung gekündigt. Das deutsche Bauunternehmen hat den Prozess von Deutschland aus intensiv begleitet. Nach einem Vierteljahr kam erst eine Rückmeldung der Zentralstelle für Fachkräfteeinwanderung. Nachdem es immer wieder zu weiteren Verzögerungen kam, habe der Marokkaner seine Zusage zurückgezogen und seine Auswanderung aufgegeben. „Damit leisten uns die eigenen Behörden einen Bärendienst nach dem anderen“, schimpft Gilka.

Appell an die Bundesregierung

Für die Bauunternehmen habe das zur Folge, dass sie weiterhin zu viele Stellen nicht qualifiziert nachbesetzen können. „Verkehrsminister Wissing hat gerade erst 40 Milliarden Euro zusätzlich für neue Schienensanierungsprogramme angekündigt – da freuen wir uns natürlich für unsere Bahnbauunternehmen. In Zukunft sind wir aber auch dringend auf Personal aus Drittländern angewiesen, um solche Projekte in Deutschland zeitnah umzusetzen. Dafür müssen auch die Rahmenbedingungen für Beschäftigte aus Drittländern stimmen,“ so Gilka weiter. Er richtet insoweit einen dringenden Appell an die Bundesregierung: „Das beste Gesetz nützt überhaupt nichts, wenn es nicht umsetzbar ist, weil die nötige Infrastruktur bei den Behörden fehlt.“ Hier müsse die Politik „schnellstens nachschärfen“. Solange sie die entsprechenden Behörden personell nicht ausreichend besetze, bleibe das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ein Papiertiger. (MAI/RED)

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