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Solaranlagen dürfen bislang nicht auf natürlichen, sondern nur auf künstlichen Gewässern erbaut werden
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Solaranlagen dürfen bislang nicht auf natürlichen, sondern nur auf künstlichen Gewässern erbaut werden

Inhaltsverzeichnis

Niedersächsische Arbeitshilfe

Floating-Photovoltaik im Einklang mit der Natur

Mit einem Ausbau der Solarenergie könnte eine Annäherung an die Klimaziele Deutschlands gelingen. Doch wie können Photovoltaikanlagen sinnvoll in die Natur integriert werden? Antworten soll eine Arbeitshilfe für den naturverträglichen Ausbau der Solarenergie liefern.

Der Niedersächsische Landkreistag (NLT) und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) veröffentlichten am 11. Oktober das Papier „Hinweise für einen naturverträglichen Ausbau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen“. Gemeinden, Vorhabenträger und ihre Gutachtenbüros sollen hier Empfehlungen finden, wie der Solar-Ausbau gelingen kann, ohne dass Natur und Landschaft leiden. Die Hinweise im Papier dienen dabei als Beratung und sind nicht verbindlich.

„Nur mit dem Ausbau der Erneuerbaren schaffen wir die Energiewende. Wir wollen Photovoltaik vorrangig auf Gebäuden, Parkplätzen und sonstigen baulichen Anlagen realisieren, aber wir benötigen auch 0,5 % der Landesfläche für Freiflächen-Photovoltaik“, erklärte Umwelt- und Energieminister Christian Meyer. Die Herausgeber der Arbeitshilfe sehen die Solarenergienutzung als wichtige Ergänzung zur Windenergie. Bis 2035 streben sie eine installierte Photovoltaikleistung von 64 GW an – 2021 lag diese laut Statistischem Bundesamt in Deutschland bei 59 GW.

Schwimmende Solarenergie

Ein Ansatz für den erfolgreichen Ausbau könnten Freiflächen-Photovoltaikanlagen (FF-PV) auf Wasserflächen sein. Bislang existieren FF-PV nur auf ehemaligen Abgrabungsgewässern. Ebenso gibt es laut den Herausgebern der Arbeitshilfe kaum Wissen über die negativen Folgen der Anlagen für die Natur und die Landschaft. Wie hoch ist die Freisetzung von Mikroplastik? Wie wird die Tier- und Pflanzenwelt durch die Verschattung eines vorher besonnten Gewässers beeinträchtigt? Verändert sich das Phyto- und Zooplankton? Das sind nur einige Fragen, die es in den nächsten Jahren noch zu klären gilt.

Klar ist aber, dass eine Floating-PV eine Baugenehmigung nach § 2 Abs. 1 der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) benötigt, da diese mit dem Ufer oder dem Grund verankert wird. Hierüber entscheidet nach § 57 Abs. 4 des Niedersächsischen Wassergesetzes (NWG) die Baubehörde im Einvernehmen mit der Wasserbehörde. Dabei darf eine Genehmigung nur verweigert werden, wenn das Gewässer vermutlich Schaden nehmen würde oder die Pflege des Gewässers unnötig erschwert wird. Was genau unter einer schädlichen Gewässerveränderung zu verstehen ist, muss jeweils fachlich geprüft werden.

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Die Herausgeber der Arbeitshilfe raten dazu, auch einen Baggersee nicht großflächig mit Photovoltaikanlagen zu überbauen
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Die Herausgeber der Arbeitshilfe raten dazu, auch einen Baggersee nicht großflächig mit Photovoltaikanlagen zu überbauen

Nicht auf natürlichen Gewässern

Aufgrund der mangelnden Erfahrung über die ökologischen Auswirkungen von schwimmenden FF-PV hat der Gesetzgeber untersagt, Solarenergie auf natürlichen Gewässern auszubauen. Zurzeit dürfen nach § 36 Abs. 3 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) solche Anlagen nur auf künstlichen oder stark veränderten Gewässern wie Bagger- und Tagebauseen oder Häfen errichtet werden. Zudem darf die Floating-PV ausgehend von der Linie des Mittelwasserstandes nicht mehr als 15 % der Gewässerfläche bedecken und weniger als 40 m Abstand zum Ufer haben.

Den Herausgebern der Arbeitshilfe für den naturverträglichen Ausbau von Solarenergie ist aber auch bewusst, dass künstlich entstandene Gewässer wie Bagger- oder Tagebauseen wertvoll für die Natur und Landschaft sein können. Deswegen empfehlen sie, eine großflächige Überbauung zu vermeiden. Ihrer Meinung nach sollten sich der Ausbau von FF-PV „auf sehr tiefe Baggerseen, die ihrer Tiefe wegen in dem jeweiligen Naturraum keine natürliche Entsprechung haben, beschränken“. In jedem Fall sollte die Errichtung von FF-PV auf Gewässern mit Untersuchungen einhergehen, die analysieren, inwiefern die Biotope und Arten beeinträchtigt werden.

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