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Fotos und Zeichnungen des gefundenen Spinnenfossils
Foto: Jason Dunlop
Fotos und Zeichnungen des gefundenen Spinnenfossils

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Abgefahren

Steinbruch-Fund: Älteste Spinne Deutschlands entdeckt

Wer tief gräbt, kann Schätze finden. Mitarbeitende in Steinbrüchen kennen das. Dabei ist keine Rede von Gold, sondern von Fossilien. Was sie zu Schätzen macht? Die Versteinerungen sind Zeugen einer Zeit und einer Welt, die lange vor uns Menschen existierte.

Im Steinbruch Remigiusberg bei Kusel in Rheinland-Pfalz gruben Forscher und Freiwillige rund 3.500 Fossilien aus. Zu Tage gekommen sind ein Microsaurier, ein Lungenfische oder auch ein Tausendfüßer. Einen Giganten der Lüfte aus der Jurazeit fand ein Forscherteam 2010 bei Ausgrabungen im Schaudberg-Steinbruch. Damit entdeckten sie den größten Flugsaurier Bayerns. Vor ungefähr 145 Millionen Jahren glitt der Pterosaurier mit einer Flügelspannweite von über 2 m durch die Lüfte Süddeutschlands. Damals floss ein tropisch warmes Flachmeer durch diesen Landstrich. Darunter befand sich eine Karbonatplattform, die wir heute unter anderem als die Solnhofener Plattenkalken in Bayern wiederfinden können.

Einen ähnlich spektakulären Fund machte Tim Wolterbeek, Geologe und Experimentalphysiker, in dem Steinbruch Piesberg bei Osnabrück in Niedersachsen. Der Geologe grub ein Fossil aus, das nicht aufgrund der Größe erstaunt, sondern des Alters wegen. „Arthrolycosa wolterbeeki“ heißt sein Fund. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Spinne und zwar die älteste Spinne Deutschlands: Zwischen 310 und 315 Millionen Jahre ist sie alt. Tim Wolterbeek verschenkte seinen Fund an das Museum für Naturkunde in Berlin. Dort hat der Paläontologe Dr. Jason Dunlop die Versteinerung erforscht, um einige Einblicke in das Leben in Europa zur Zeit des späten Karbons zu erhalten.

Handflächengroß

Mit einer Körpergröße von 1 cm und einer Beinspannweite von 4 cm hätte die Spinne locker auf eine Handfläche gepasst – und das ist zugegebener Weise gar nicht so klein. Aber Menschen gab es damals noch nicht. Im heutigen Zeitalter kann Jason Dunlop das Fossil aber in seinen Händen drehen und wenden, wie er will. Mit seinem Fachblick konnte er sogar winzige Krallen und Haare an den Beinen erkennen. Auch die typischen seidenproduzierenden Spinndrüsen sind nach all den Jahrmillionen noch sichtbar.

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Nachbildung der Spinne
Foto: Jason Dunlop
Nachbildung der Spinne

In einem Land, vor unserer Zeit

Diese Spinne hat in einem Deutschland gelebt, das wir so nicht kennen. In der Zeit des späten Karbons erstreckten sich tropische Sumpfwälder über das Land. Flusslandschaften schlängelten sich durch das Dickicht. Das Klima war schwitzig-schwül. Damals lag Deutschland mehr als 5.000 km weiter südlich: am Äquator.

Die tropischen Wälder verwandelten sich im Laufe der Jahrmillionen zu Steinkohle und heute erinnern nur noch Überreste in manchen Kohlelagerstätten wie in Piesberg an die damalige Zeit. Der Steinbruch, in dem das Spinnenfossil gefunden wurde, liegt mitten im Unesco Natur- und Geopark Terra.vita und hat schon so manche Versteinerungen der urzeitlichen Tier- und Pflanzenwelt zutage gefördert.

Seltener Fund

Dennoch ist der Fund der Spinne besonders – nicht nur wegen des hohen Alters. Aus der Zeit des Karbons gibt es bislang nur wenige Spinnenfossilien. Ob Spinnen bereits vor über 300 Millionen Jahre im heutigen Niedersachsen lebten, war bislang noch unklar. Aber der Fund zeigt, dass Spinnen auch damals durch die Wälder von Piesberg krabbelten. Insgesamt konnten bisher nur 12 Spinnenarten aus dem Karbonzeitalter sicher identifiziert werden, wobei die bisherigen Funde aus Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und den USA stammten.

Warum so alte Spinnenfossilien selten gefunden werden, könne mit der Lebensweise des achtbeinigen Tieres zusammenhängen. War der Lebensstil der urzeitlichen Spinne ähnlich zu dem der heutigen, so schreibt Jason Dunlop in seiner Publikation, dann saß sie vermutlich still und leise in einem Erdbau oder an einem anderen Rückzugsort und kam nur selten mit Wasser in Berührung. Wasser ist aber für den Prozess der Versteinerung nötig. Zum Glück – zumindest für uns – ist diese Spinne aber wohl in ein Gewässer gefallen und hat so bis zu unserer Zeit überdauert.

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