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Herausforderungen meistern

Getreu dem Messe-Motto „Hier redet man miteinander“ hat die diesjährige Nordbau in Neumünster viele aktuelle Themen aufgegriffen. Die Baumaschinenhersteller geizten im Vorjahr der Bauma nicht mit Neuheiten.

Die derzeit größte politische und gesellschaftliche Herausforderung besteht in der Aufnahme und Integration hunderttausender Flüchtlinge. Dass dieses Thema auch und gerade auf eine Baumesse gehört, verdeutlichte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig in seiner Nordbau-Eröffnungsrede. „Ohne Bauindustrie werden wir keine Integration schaffen können", sagte Albig und erinnerte daran, dass Schleswig-Holstein nach dem 2. Weltkrieg 1,1 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hatte, wodurch die Einwohnerzahl annähernd verdoppelt wurde. „Wir haben es schon einmal geschafft“, sagte der Ministerpräsident und sprach damit besonders die wichtige Rolle an, die der Bau damals eingenommen habe. Heute gehe es darum, dass schnell und günstig Wohnraum entstehe. Auf Flüchtlingsfragen müssten auch architektonische Antworten gefunden werden - die Nordbau komme insofern zum richtigen Zeitpunkt.

Bauaufträge dank Olympia 2024

Dass eine erfolgreiche Bewerbung Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2024 lukrative Bauprojekte nach sich ziehen werde, erläuterte Bernhard Schwank, Stellvertretender Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft. Es sei geplant, den Olympiapark flexibel und nachhaltig zu gestalten. Aus dem Olympischen Dorf würden später 6.000 Wohnungen für 18.000 Menschen entstehen und die Olympiahalle solle schließlich zum Schiffsterminal umgestaltet werden. Prinz Joachim zu Dänemark, der anlässlich der 40. Nordbau-Teilnahme des Nachbarlands Gast der Eröffnungsveranstaltung war, warb für den Fehmarnbelt-Tunnel.

Im weiteren Messeverlauf fanden sich zahlreiche Gelegenheiten, um aktuelle und brisante Themen zu diskutieren. Mit Schwerpunkten wie „Brückenbau amp; Brückensanierung“, „Architekten als Anwalt des Bauherrn“ sowie „Schaffung von zusätzlichem Wohnraum“ hatte die Nordbau 2015 den Nagel auf den Kopf getroffen. Gut besucht war eine Diskussionsrunde über Qualitätssteigerung von Bauprojekten mit Landesverkehrsminister Reinhard Meyer. Er sprach sich für eine neue „Projektkultur“ bei Bau-Großvorhaben aus und schlug eine „Anpassung des Vergabe- und des Vertragsrechts sowie eine verbindlich definierte Kooperation aller Projektbeteiligten“ vor.



Premieren und Weiterentwicklungen

Wer gedacht hatte, dass die Baumaschinenhersteller gut ein halbes Jahr vor Beginn der Bauma mit Neuerungen geizen würden, sah sich getäuscht. Es gab manche Neuheit zu sehen, mit der sich die Herausforderungen auf der Baustelle und im Steinbruch meistern lassen.

Vor drei Jahren hatte Liebherr mit der Übernahme von Waitzinger sein Produktprogramm im Bereich der Betontechnik vervollständigt. Nun feierte der Produktbereich mit der Autobetonpumpe 37 Z4 XXT Nordbau-Premiere. Stefan Windeisen von der Liebherr Betonpumpen GmbH erläuterte, dass das Unternehmen der einzige Hersteller ist, der Betonpumpen in Deutschland für den deutschen Markt produziert. Ziel des Geschäftsbereichs sei, „unter den ersten drei zu sein“. Zu sehen waren außerdem kompakte Radlader und Hydraulikbagger. Liebherr erweitert seine Planierraupen-Generation 6 nach unten, erstmalig gezeigt wurde der PR 726.

Gut gelaunt zeigten sich Volvo CE-Geschäftsführer Christian Krauskopf und Swecon-Geschäftsführer Falk Bösche am Gemeinschaftsstand. Sie berichteten von der Eröffnung der neuen Niederlassung in Rostock und den Umzug in ein größeres Haus am Standort Hannover. Im Messefokus standen die sparsamen Ketten- und Mobilbagger der E-Serie, der vielfältig einsetzbare kompakten Radlader L28F und die Radlader-Modelle L60H, L70H und L90H. Alle drei Maschinen verfügen über das einzigartige TP-Hubgerüst (Torque Parallel) und sind mit einem 6-Liter-Dieselmotor von Volvo gemäß Stufe IV/Tier 4 Final ausgestattet. Viel Andrang herrschte - wie in den Vorjahren – am Demogelände, wo sich die Volvo-Maschinen in Aktion zeigten.

Intelligent, innovativ und integriert

Die GP Baumaschinen GmbH Halle zeigte unter dem Motto „Technologie für Ihren Erfolg“ die neuen Komatsu-i-Maschinen. Das i steht für intelligent, innovativ und integriert. Vorgestellt wurden der Kettenbagger PC210LCi-10 und die Planierraupe D65PXi-18, beide sind mit einer neuen integrierten GPS-Steuerung ausgerüstet. Ein weiteres Highlight war der Hybridbagger HB215LC-2. Mit dem Kettenbagger geht Komatsu in die dritte Hybridgeneration. Informiert wurde auch über die neu gegründete G-tec Positioning GmbH , die sich neben dem Vertrieb der von Topcon angebotenen Maschinensteuerungen für Bagger, Raupen und Grader auch mit der Einführung und dem Service der damit verbundenen neuen Technologien für den Baustellenprozess beschäftigt. Zu den zahlreichen Standorten, an denen die GP Baumaschinen GmbH Produkte  von Komatsu vertreibt, zählt seit dem 1. August auch Koblenz.

Highlight am Stand von JCB war der neue Radlader 457, der erste große JCB Radlader, der dank des leistungsstarken MTU-Dieselmotors die Tier 4 final-Abgasnorm erfüllt und das – JCB-typisch - ohne einen kostspieligen und komplexen Dieselpartikelfilter. Regionalverkaufsleiter Udo Luysberg sprach von einer Kraftstoffeinsparung von 16 % gegenüber dem Vorgängermodell. Der 457 ist zudem die erste Maschine mit der Kabine der neuen Generation „JCB CommandPlus“, die dem Fahrer einen ultimativen Komfort verspricht.

Die Zeppelin Baumaschinen GmbH widmete der alternativen Antriebstechnik einen ihrer Schwerpunkte: Vorgestellt wurden der neue Cat Hybridbagger 336F XE und der neue Cat Radlader 966M XE mit stufenlosem, leistungsverzweigten Getriebe. Beide markieren die Marschrichtung, die Caterpillar seit der Einführung der neuen Motorentechnik auf Basis der Abgasemissionsstufe IIIB und IV konsequent verfolgt: geringer Kraftstoffverbrauch gepaart mit möglichst niedrigen Betriebskosten bei gleichzeitig hoher Leistung. Zeppelin-Vertriebsgeschäftsführer Fred Cordes erläuterte, dass die Maschinen künftig mit dem Zusatz XE versehen sind, wenn sie dem neuesten Stand der Technik entsprechen.

Wienäber auf Expanionskurs

Bisher nur auf der Intermat zu sehen war der neue Hyundai-Kettenbagger HXL 300. Am Nordbau-Stand des Hyundai-Exklusivhändlers Wienäber Baumaschinen feierte der 30t Kettenbagger seine Deutschland-Premiere. Er erfüllt die neusten Abgaswerte nach Stufe IV und verspricht erhöhten Bedienerkomfort und Senkung des Kraftstoffverbrauchs. Wienäber expandiert weiter: Pünktlich zum Beginn der NordBau startete im macklenburgischen Wesenberg nach Fertigestellung der ersten Halle der Aufbau einer zweiten Halle. Insgesamt beläuft sich die Investitionssumme auf ca. 3,5 Mio. Euro, weitere 4 Mio. wurden in den Maschinenpark und die Einrichtung investiert. Zum 1. September hat das Unternehmen seine Vertriebsmannschaft erweitert. Der neue Geschäftsführer Ralf Bosse nutzte die Nordbau, um sich Kunden und Geschäftspartnern vorzustellen

Als Neuheiten gab es bei Kiesel beispielsweise den Mobilbagger 12MTX aus dem Hause Mecalac oder auch den Hitachi Radlader ZW180-5 zu sehen, der in Sachen Produktivität, Komfort, moderner Technik, Umweltschutz und Wartungsfreundlichkeit überzeugt. Neben Bau- und Umschlagmaschinen wurde auch das neue und umfangreiche Sortiment an Anbaugeräten der K-ART (Kiesel Abbruch- und Recycling Technik GmbH) vorgestellt.

Wirtgen Hamburg zeigte Exponate aus den Geschäftsfeldern Road und Mineral Technologies. Geschäftsführer Jörg Saake präsentierte gleich zwei Deutschlandpremieren im Bereich der Kaltfräsen. Die W 100 CFi ist eine brandaktuelle Maschine aus der Wirtgen-Kompaktklasse, die W 35 Ri das neueste Modell der aktuellen Kleinfräsen-Generation.

Ein Hingucker am Stand des Rädlinger Maschinenbaus war insbesondere die große Ladeschaufel mit einer Schnittbreite von 3,1 m und einem Volumen von 4.500 l. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde der Drehmotor JR Tilt 490. Die neue Größenklasse ergänzt die bisher aus vier Modellen bestehende Produktreihe, wodurch sich auch eine neue, perfekt auf die Maschinentypen abgestimmte Größeneinteilung für das Minibaggersegment bis 12 t ergibt.

Gelungene Nordbau-Premiere

Für die Osnabrücker Bohnenkamp AG und ihren EM-Reifen-Partner BKT war die erstmalige Nordbau-Teilnahme ein voller Erfolg. „Insbesondere an den ersten beiden Tagen konnten wir viele Fachbesucher auf unserem Stand begrüßen. Da wir, soweit ich gesehen habe, der einzige Reifengroßhändler und BKT der einzige Reifenhersteller auf der Messe waren, konnten wir eine hohe Aufmerksamkeit auf uns ziehen und so unsere Markenpräsenz deutlich stärken“, sagte Bohnenkamp- Marketingleiter Henrik Schmudde. Zu einem regelrechten Publikumsmagneten entwickelte sich das aus einem BKT-EM-Reifen XL-Grip gefertigte Glücksrad. Wenn er nicht als Glücksrad agiert, eignet sich der nicht laufrichtungsgebundene Reifen für eine Vielzahl von Anwendungen und Baufahrzeugen.

An den fünf Messetagen vom 9. bis 13. September hatten 846 Aussteller aus 17 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen des Baugeschehens präsentiert. Die 89.000 m2 große Ausstellungsfläche in und außerhalb der Holstenhallen war zum 14. Mal in Folge ausgebucht. Die Besucherbilanz fiel mit 66.000 nur unwesentlich schlechter aus als im Vorjahr. Die 61. Nordbau findet vom 7. bis zum 11. September 2016 statt.

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