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Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein stimmt die Teilnehmer auf das Thema ein.

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Aufbruch ins gelobte Land?

„BIM heißt das Zauberwort, es verheißt eine goldene Zukunft.“ Mit diesen Worten hieß Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des ZDB, die Teilnehmer einer Tagung Ende September in Berlin willkommen. Die Veranstaltung hatte das „Bauen im Zeitalter der Digitalisierung“ zum Thema und lockte rund 80 Teilnehmer zum Firmensitz von Microsoft in die Hauptstadt. Organisiert worden war sie von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem ZDB.

In seiner Begrüßung konstatierte Loewenstein, dass die Branche bezüglich Digitalisierung weiter ist als öffentlich wahrgenommen wird. Schließlich werden im Baualltag bereits zahlreiche Prozesse digital abgebildet, etwas im Bereich der Logistik oder bei der Auswertung von Geschäftsdaten. Auch die elektronische Ausschreibung nach GAEB-Standards, bereits 50 Jahre am Markt, wird gelebt.

Loewenstein betonte zugleich, dass BIM bei der Planung beginnt. Sein Wunsch dazu sind definierte Schnittstellen mit umfassenden Informationen. Vorausschauende und umfassende Planung ist für den ZDB-Präsidenten dann erreicht, „wenn der Auftraggeber nur noch zur Abnahme auf der Baustelle erscheint.“

Mitarbeiter mitnehmen

Harriet Wirth, Direktorin der KfW, skizzierte die mögliche Rolle ihres Hauses für die Digitalisierung. Zu den Herausforderungen der Digitalisierung gehören strukturierte Prozesse und die Unternehmenskultur. Es gilt, die Mitarbeiter zu motivieren, den Weg gemeinsam zu gehen. Die KfW hält verschiedene Programme für den Mittelstand vor, um Digitalisierung und Innovationen finanziell abzufedern. Konkrete Förderangebote für das Baugewerbe erläuterte Eckard von Schwerin, Prokurist bei der KfW, im Laufe der Veranstaltung.

Wo stehen wir?

Prof. Dr. Manfred Helmus erlutert die Bedeutung der Digitalisierung.Foto: Foto: Volker Mller

Digitalisierung in der Bauwirtschaft: Wo stehen wir? In einem ebenso leidenschaftlichen wie informativen Vortrag zeigte Prof. Dr. Manfred Helmus, Bergische Universität Wuppertal, den Stand der Dinge auf. Er räumte ein, dass die Frage nach dem aktuellen Stand schwierig zu beantworten ist. Es gibt nach seiner Einschätzung noch nicht einmal eine einheitliche Linie in den zuständigen Ministerien auf Bundesebene. Zudem verspüren die Bauunternehmen einen diffusen Druck, da sie oft nicht wissen, was nun konkret zu tun ist.

Ein Bauwerk ist ein Hightech-Produkt, so Helmus. Es ist hoch komplex, hat einen extrem langen Lebenszyklus und bisher kein durchgängiges Datenmanagement. Das grundsätzliche Problem dabei: Planung und Fertigung liegen in unterschiedlichen Händen. Man möge sich diesen Zustand einmal in der Automobilindustrie vorstellen, forderte der Experte seine Zuhörer auf.

Viel mehr als BIM

Zur Digitalisierung gehört mehr als BIM, BIM ist lediglich der Topf, in dem alle Daten gesammelt werden, erklärte Helmus. So bekommen alle im Gebäude verbauten Teile eine ID, die Auskunft über ihre Herkunft und Wartung geben. Eine Sensorik vermittelt Informationen über Spannungen und Temperaturen in den Bauteilen. 3D-Laserscanning oder Drohnenvermessung gestatten die nachträgliche Digitalisierung von Bauwerken.

Die gewonnen Daten können genutzt werden, um mit einem Virtual Reality-System das digitale Begehen von Gebäuden zu ermöglichen. In der Augmented Reality werden zusätzliche Informationen eingefügt. Zudem lassen sich mit den Daten Bauteile drucken, entweder direkt auf der Baustelle oder vorab in einer Fabrik.

Zu klären ist in diesem Zusammenhang, wem die Daten letztlich gehören und wer auf sie Zugriff hat.

Wenn BIM rund läuft, bietet es eine Reihe von Vorteilen für alle Beteiligten. Dazu nannte Helmus die Prozesssicherheit für das Bauunternehmen, die klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten, die bereits genannte Visualisierung, Planungssicherheit und Qualitätskontrolle, verbessertes Risikomanagement, Transparenz gegenüber der Auftraggebern, Benchmark mit Soll/-Ist-Vergleichen, Kosten- und Terminsicherheit sowie projektübergreifende Vergleiche.

Grundlagen der Digitalisierung sind für Helmus klar definierte Prozesse sowie qualifizierte und motivierte Menschen. Zu dem letzten Punkt merkte er kritisch an: „Wir fangen mit der Ausbildung von BIM-Experten gerade erst an.“

Womit dann wohl auch die Eingangsfrage ein wenig geklärt wäre. Wo stehen wir bei der Digitalisierung in der Bauwirtschaft? Noch so ziemlich am Anfang. Doch Helmus relativierte ein Vorurteil in der Branche: „Es stimmt nicht, dass das Ausland schon weiter ist.“ Wenn man genau hinsieht, gibt es in anderen Ländern deutliche Unterschiede in den Prozessen, die eine wesentliche Grundlage für die Digitalisierung darstellen.

BIM ist kein Allheilmittel

Felix Pakleppa nennt Voraussetzungen fr BIM.Foto: Foto: Volker Mller

Nach zwei Diskussionsrunden über Erfahrungen mit der Digitalisierung und den Zukunftserwartungen fasste ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa die Ergebnisse der Tagung zusammen und gab einen Ausblick. Für ihn ganz klar: „BIM ist nicht das Allheilmittel aller Probleme am Bau.“ Dennoch führt kein Weg daran vorbei. Wichtig ist außerdem, dass kleinere mittelständische Unternehmen von BIM profitieren und dass es für sie handhabbar ist. Dazu bedarf es einer breiten Beteiligung möglichst aller Akteure. Voraussetzung dafür sind produktneutrale Lösungen und systemoffene Schnittstellen.

Größtes Potenzial bietet BIM nach Meinung Pakleppas für das Qualitätsmanagement, angefangen bei der Planung. „Denn wenn ein Projekt im Vorlauf besser und vor allem zu Ende geplant ist, kann es anschließend schneller und fehlerfreier gebaut werden.“

Siedlungen drucken

Seine Vision: „Gehen wir davon aus, dass wir ein komplett zu Ende geplantes Gebäudemodell in BIM erfasst haben. Und gehen wir davon aus, dass der Startschuss für die Bauausführung gefallen ist. Dann bekommen die beteiligten Unternehmen den Hinweis, dass es losgeht. Selbstfahrende Baumaschinen setzen sich in Bewegung und beginnen mir dem Erdaushub. Selbstfahrende Lkw bringen diesen zur nächsten verfügbaren Deponie, deren Standort sie aus Online-Datenbanken erhalten.“ Weiter geht es mit der Anlieferung von Baumaterial, just in time per autonomer Transporter. Das Material wird von Robotern auf der Baustelle punktgenau verteilt. „Wenn wir noch 3D-Drucker, d.h. 3D-Baudruckroboter in unsere Betrachtung mit einbeziehen, sind plötzlich noch ganz andere Bauverfahren denkbar.“ Pakleppa nannte in diesem Zusammenhang von Druckrobotern erstellte Siedlungen nebst Infrastruktur für den sozialen Wohnungsbau oder in der Katastrophenhilfe.

Und wo bleibt bei diesen Prozessen der Mensch? Pakleppa: „Brauchen wir am Ende noch Baufacharbeiter, oder brauchen wir nicht vielmehr IT-Spezialisten? Die Wahrheit dürfte hier in der Mitte liegen.“

Voraussetzungen für diese neue Bauwelt sind nach Einschätzung des ZDB-Hauptgeschäftsführers bundesweit leistungsfähige Datennetze, die Koordination aller Ministerien, um einheitliche digitale Standards zu erreichen, die Anpassung von Digitalisierung mit dem Vergaberecht sowie einen Konsens über die Sicherheit der anfallenden Daten.

Volker Müller

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