Sebastian Geruschka begrüßt die Teilnehmer der 7. Deutschen Pflastertage.
Foto: Volker Müller

7. Deutsche Pflastertage

Mängel beim Pflastern vermeiden!

Schadensbilder aufzeigen, Ursachen klären und Ausführungsfehler unbedingt vermeiden. Dieser Dreiklang bestimmte die Inhalte der 7. Deutschen Pflastertage.

Inhaltsverzeichnis

„Die Pflastertage sind inzwischen bundesweit etabliert, hier trifft sich die Branche!“ mit diesen Worten begrüßte Sebastian Geruschka die 200 Teilnehmer der Veranstaltung in Fulda. Geruschka, Geschäftsführer des Straßen- und Tiefbaugewerbes im ZDB und Gastgeber der Veranstaltung, blickt mit den 7. Deutschen Pflastertagen auf eine nunmehr 14-jährige Veranstaltungsreihe zurück. Ausdrücklich bedankte er sich in diesem Zusammenhang bei den 15 Unternehmen, die die Begleitausstellung bestückten und die neben bewährten Produkten und Verfahren auch Neues zu bieten hatten.

„Pflasterhandwerk – Zunft mit Zukunft“.

Begleitet wurden die Pflastertage inzwischen zum zweiten Mal von der Wanderausstellung „Pflasterhandwerk – Zunft mit Zukunft“. Sie ist seit Sommer 2017 auf Tour durch Deutschland und wird vom Netzwerk Pflasterbau stetig weiter ausgebaut und erweitert.

Dimensionierung von Pflasterflächen

Den ersten Vortrag bestritt Prof. Dr.-Ing. Frohmut Wellner, Fachbereich Straßenbau an der TU Dresden. Er fragte: „Dimensionierung von Pflasterflächen – ist das derzeitige Regelwerk ausreichend?“ Wellner ging auf die Bedeutung von Lastklassen für den Pflasterbau ein und beschäftigte sich kritisch mit Tabellenangaben in der RStO 12. Er empfahl, das Schwerlastaufkommen von Lkw und Bussen selbst zu beobachten und die Achslasten zu berechnen. Entsprechend sei das Pflaster aufzubauen.

Am Ende seines Vortrags erläuterte Wellner Versuche zu Trag- und Bettungsschichten, die mit unterschiedlichen Steinen und Verbänden belegt werden. In Triaxialversuchen werden 1 Mio. Lastwechsel simuliert. Dadurch gelangen er und sein Team zu Erkenntnissen über elastische und plastische Verformungen der Tragschichten und Pflastersteine.

Ungebundene und gebundene Tragschichten

Zum Thema „Ungebundene und gebundene Tragschichten unter Pflasterdecken und Plattenbelägen“ referierte Dr.-Ing. Mike Wolf, ebenfalls von der TU Dresden. Er zeigte den Widerspruch auf zwischen den Anforderungen an Wasserdurchlässigkeit und Tragfähigkeit bei ungebundenen Tragschichten. Ein Phänomen, das seiner Ansicht nach eingehender Untersucht werden muss.

Danach nannte er Vor- und Nachteile von Tragschichten mit Bindemitteln. Zu diesen gebundenen Tragschichten gehören Dränbeton, der mit einem Fertiger eingebaut und mit statischen Walzen verdichtet wird, und wasserdurchlässiger Dränasphalt. Die Vorteile, so Wolf, sind hohe Tragfähigkeit, die Kompensation von Tragfähigkeitsunterschieden und von begrenzten Bauhöhen, die hohe Wasserdurchlässigkeit sowie die Möglichkeit, wegen der rein statischen Verdichtung im Altbaubestand zu bauen. Zu den Nachteilen zählen die vergleichsweise höheren Kosten, die Erhärtungszeit, Probleme bei Aufgrabungen sowie das schwierige Einhalten der Ebenheit, insbesondere beim Handeinbau.

Abschließend erläuterte Wolf einen Schnelltest, um die Wasserdurchlässigkeit der Schichten direkt auf der Baustelle einschätzen zu können. Dazu benötigt man lediglich einen Messring aus Kunststoff, Dichtmittel, Wasser und eine Stoppuhr.

Solide Steine aus China

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Burgetsmeier, Josef Streitel GmbH, Friedberg, widmete sich dem „Naturstein, vom Vorkommen bis zu Baustelle“. Er nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise in teilweise exotische Steinbrüche und zeigte u.a. Schadensbilder, die auf schlechte Steinqualitäten oder -verarbeitung zurückzuführen sind.

Andererseits führte er gelungene Projekte an. Etwa in Kempten, wo eine Ausweichstraße für Busse mit Dränasphalttragschicht und Steinen aus China gebaut wurde.

„Es ist Bewegung im Regelwerk“

„Rinnen, Borde, Einfassungen – Fehlerquellen und die regelgerechte Herstellung“ waren das Thema von Dr.-Ing. Jörn Buchholz, Marbos GmbH & Co. KG, Dortmund. Er ging auf die einschlägigen Regelwerke ein, die teilweise in der Überarbeitung sind. „Es ist Bewegung im Regelwerk“, konstatierte Buchholz und machte dies u.a. an den Änderungen der ATV DIN 18318 in der alten und in der aktuellen Fassung fest.

Zudem wies er auf die richtige Anordnung und Ausführung von Bewegungsfugen hin und auf die Bedeutung von Haftschlämmen für die Qualität bei Rinnen. Sein weiteres Fazit: Rückenstütze und Fundament haben mehr Bedeutung bekommen, der fachgerechte Umgang mit Beton hat entscheidenden Einfluss auf die Bauwerksqualität, Bettungsmörtel zwischen Fundament und Befestigungselement ist eine sinnvolle Alternative, und die Nachbehandlung ist wichtig für eine gute Beton- und Mörtelqualität.

„Dicke, Dicke, Dicke ist wichtig!“

Dipl.-Betriebswirt (FH) Harald Boehnke, Sachverständiger, Potsdam, beschäftigte sich mit „hochbelasteten Pflasterflächen in der Regelbauweise“ und „zusätzlichen Maßnahmen gegen Verschiebungen und Verdrehungen“. „Dicke, Dicke, Dicke ist wichtig!“ stellte der Referent eingangs fest und schloss sich damit der zentralen Aussage von Bernd Burgetsmeier an. Er erläuterte sehr viele Schadensbilder und wies auf Fehler in der Planungs- und Ausführungsphase hin. Ambitioniertes Handwerk ist für ihn ganz wichtig, um die geforderte Qualität beim Pflasterbau zu erbringen.

Sehr bedeutend ist für Boehnke zudem der Einsatz von Ankern durch die Bettung in die Tragschicht, um die Flächen verschiebesicher zu gestalten.

„Kein Baustellen-Quickie“

Prof. Jürgen Ulrich oblag es am Ende des ersten Tages, noch einmal die Aufmerksamkeit der Besucher zu wecken. Um es vorweg zu nehmen: Der ehemalige Richter am Landgericht Dortmund machte seinen Job über eineinhalb Stunden brillant. Er transformierte seelenloses Juristendeutsch in absolut verständliche Handlungsanweisungen mit hohem Nutzwert für Unternehmen.

Beispiel: „Ich musste Unternehmen verurteilen, weil sie blöd waren!“ Er meinte damit, dass Verträge lückenhaft waren und schließlich zum Rechtsstreit geführt haben. „Was nicht im Vertrag steht, wurde auch nicht vereinbart“, so Ulrich. Gleichzeitig mahnte er vor „schwarzen Verträgen“, die häufig zur Gefahr für den Bauunternehmer werden, und wies auf die Beratungspflicht des Fachmanns hin, auch gegen die Belehrungsresistenz potenzieller Auftraggeber.

Zudem empfahl er, „Verträge mit Verbrauchern nur im Büro zu schließen“, also kein „Baustellen-Quickie“ zu machen.

Stelzenbauweise

Den zweiten Tag eröffnete Alexander Eichler, Lithonplus GmbH & Co. KG, Thalfingen. Er machte sich „Grundlegende Gedanken zur Stelzenbauweise“, die als Untergruppe der Punktlagebauweise tiefreichende historische Wurzeln hat.

Zur Dimensionierung dieser Bauweise riet er: „Wir sollten immer an Worst-Case-Szenarien denken und die Flächen danach auslegen.“ Eichler erläuterte die Belastungsklassen sowie den Einfluss des Windsogs und zitierte gelungene Bauausführungen wie das Dreischeibenhaus in Düsseldorf, eine Wohnanlage in Roßdorf und die Seebühne in Karlsruhe.

Problem „Noppenbahn“

Mit dem „Übergangsbereich Pflasterflächen zu Gebäuden /Bauweisen, Schäden, Haftung, Regelwerk, Schutzmaßnahmen“ beschäftigte sich Dipl.-Ing. (FH) Siegfried Jakob, Ingenieurbüro für Bauwesen, Tangermünde. Auch er zeigte viele Schadensbilder etwa von Pflasterflächen an Wärmedämmverbundsysteme an Gebäuden, Probleme bei Einbauten wie Lichtkästen oder im Straßenbau Anschlüsse an Sockel, Rinnen, vorgehängte Fassaden sowie bodentiefe Fenster und Türen. Druckspannungen müssen hier unbedingt vermieden werden.

Viel Zeit widmete er dem Problem „Noppenbahn gegen Gebäudeabdichtung“, an der schon mancher Straßen- oder Galabauer technisch und letztlich auch wirtschaftlich gescheitert ist.

Ursachen von Verschiebungen

Horizontale und vertikale Verschiebungen thematisierte Dipl.-Ing (FH) Oliver Mann, Materialprüfungs- und Versuchsanstalt Neuwied GmbH. In seinem Vortrag „Beeinflussung des Verschubwiderstandes von Pflasterdecken durch Einsatz von Betonpflastersteinen mit besonderen Eigenschaften“ kam er nach zahlreichen Versuchen auf dem Prüfstand in Neuwied zu dem Schluss, dass die Fugenbreite eher einen geringen Einfluss auf die Verschiebungsneigung hat, massiven Einfluss nehmen dagegen das Bettungsmaterial, die Steindicke, das Verlegebild und die Profilierung der Steine, insbesondere an der Unterseite.

Dipl.-Ing. Mario Sommer, Sopro Bauchemie GmbH, Wiesbaden, nahm sich der „Fugenfüller für befestigte Außenflächen – Möglichkeiten und Grenzen“ an. Er skizzierte drei Bauweisen von leichter bis schwerer Beanspruchung, wobei bei letzterer Tragschicht, Bettungs- und Fugenmörtel gebunden ausgeführt werden. Der Fugenfüller kann harzgebunden oder zementär sein.

Wenn Oberflächen eintrüben …

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Dr. Karl-Uwe Voß, ebenfalls von der Materialprüfungs- und Versuchsanstalt Neuwied. Sein Thema lautete: „Probleme bei der Verwendung oberflächenvergüteter Produkte aus Sicht eines Sachverständigen“. Er machte deutlich, dass die Industrie weitreichende Highend-Versprechungen zu ihren Produkten macht und somit sehr hohe Erwartungen weckt. Voß schilderte u.a. Betrugsfälle von Menschen, die Hofreinigungen mit Versiegelung verkaufen, die letztlich die Erwartungen nicht erfüllen. Oder er wird hinzugezogen, wenn Oberflächen eintrüben, sich Farben verändern, Kratzer entstehen oder sich Blasen bilden.

Als Sachverständiger ist es dann seine Aufgabe zu prüfen, ob überhaupt wirksame Beschichtungsmaterialien zur Anwendung kamen. Dazu bedient er sich unterschiedlicher Methoden wie der digitalmikroskopischen oder infrarot-spektroskopischen Untersuchung. Auch wird gegebenenfalls das kapillare Saug- und Abtrocknungsverhalten getestet.

Oft stellt er jedoch fest, dass nach dem Verlegen von Pflasterflächen der Fugenmörtel zu spät entfernt wurde oder bei Flächen, die bei der Abnahme einwandfrei waren, Verfärbungen auftreten, weil der Auftraggeber seine Reinigungspflichten versäumt.

Die 8. Deutschen Pflastertage finden am 29. und 30. März 2022 in Fulda statt.

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