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Konjunktur

Keine Ausschreibungen: Straßenbau stoppt bundesweit

Trübe Stimmung allgemein. Und auch die Baubranche kann sich nicht mehr von der allgemeinen Verschlechterung in der Gesamtwirtschaft frei machen. Vor allem der Straßenbau.

Inhaltsverzeichnis

Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mitteilt, erwarten mittlerweile deutlich mehr Bauunternehmen eine Eintrübung ihrer Geschäftslage als noch vor einem Jahr. „Dies ist auch auf eine Zunahme an Stornierungen und schleppender Auftragsvergabe insbesondere im Straßenbau zurückzuführen.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten September-Daten des Bauhauptgewerbes.

Eine kurzfristig durchgeführte Umfrage unter den Mitgliedern bestätigt diese Entwicklung: „Die deutliche Mehrheit der Unternehmen beklagt einen Rückgang der Ausschreibungen im öffentlichen Straßenbau, und das, obwohl doch ausreichend Mittel vorhanden sind“, beschreibt Babiel die aktuelle Situation.

Die schleppende Auftragsvergabe scheine nicht nur auf personelle Engpässe in den Behörden zurückzuführen zu sein, sondern auch darauf, dass Ausschreibungen bewusst zurückgehalten werden, weil auf sinkende Preise gehofft wird. „Eine solche Praxis stößt bei uns auf Unverständnis, sollte sie zutreffend sein. Denn dadurch würde dem ruinösen Preiskampf wieder Tür und Tor geöffnet, der am Ende auch der öffentlichen Hand schadet“, so Babiel.

Die Zahlen

Die aktuellen Zahlen Statistischen Bundesamtes zeigen, dass der Ordereingang im Straßenbau (Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten) sich schlecht entwickelt: Dieser ist im September um real 5,6 % zurückgegangen, nach einem Einbruch im August von 18,8 %. Über alle 9 Monate des Jahres liegt das Volumen um 2,9 % unter dem vergleichbaren Vorjahresniveau.

Gleichzeitig hat sich der Anteil der Firmen, die Auftragsstornierungen melden, von 3,7 % im Durchschnitt der Monate Januar bis Oktober 2018 auf 7,3 % im Durchschnitt der ersten 10 Monate diesen Jahres verdoppelt.

Im Rahmen des ifo-Konjunkturtests gaben im Oktober 13 % der befragten Straßenbauunternehmen eine Behinderung ihrer Bautätigkeit aufgrund von Auftragsmangel an. Vor einem Jahr waren es lediglich 7 %.

Die Nachfrage

Aufgrund dieser Frühindikatoren, die dafürsprechen, dass eine Kehrtwende im Verkehrswegebau bevorstehen könnte, hat der HDB eine bundesweite Umfrage unter führenden Straßenbauunternehmen in Deutschland durchgeführt.

Das Ergebnis zeigt, dass die überwiegende Mehrheit – 90 % – der Unternehmen einen Rückgang der Ausschreibungen im öffentlichen Straßenbau bestätigt. Davon bestätigten wiederrum knapp 65 %, dass die Tendenz, ursprünglich geplante Ausschreibungen für Straßenbauprojekte nicht an den Markt zu bringen, zunimmt. Nur etwa 35 % antworteten, dass dies vereinzelt vorkommt. Auf die Frage, in welchen Bereichen des Straßenbaus ein entsprechender Ausschreibungsrückgang zu erkennen ist, gaben über 70 % der Unternehmen an, dass besonders Maßnahmen im Oberbau betroffen sind. Etwa 30 % sahen zudem den Ingenieurbau und 50 % kombinierte Maßnahmen betroffen, wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Ein Grund für die starken Auswirkungen auf den Oberbau könnte sein, dass einige Länder in den kommenden Monaten Investitionsmittel vorrangig für große Brückenbaumaßnahmen einsetzen und deshalb weniger Maßnahmen im Oberbau ausgeschrieben werden. Dies wurde von einigen Auftragsverwaltungen der Länder gegenüber dem Verband bestätigt.

Zudem bestätigte die Mehrheit der Unternehmen, dass insbesondere bei den Bundesfernstraßen von einem Ausschreibungsruckgang betroffen sind (Bundesautobahnen 68 % und Bundesstraßen 66 % Antworten). 58 % der Unternehmen sehen ähnliche Tendenzen auch bei den Landesstraßen. Etwa 50 % auch im kommunalen Straßenbau.

Mit Blick auf den Übergang von der Auftragsverwaltung der Länder auf die Autobahn GmbH des Bundes wurden die Unternehmen befragt, ob sich mögliche Ausschreibungsprobleme bei den Bundesfernstraßen auch auf diesen Umstellungsprozess zurückführen lassen. Dies beantwortete eine Mehrheit von 64 % mit „Ja".

Als Gründe sehen 83 % der Befragten mangelnde Personalkapazitäten bei den Planungs- und Genehmigungsbehörden; 50 % in den mangelnden Personalkapazitäten bei den Vergabestellen.

Die Forderungen

„Unter diesem Gesichtspunkt ist der mitunter vorgebrachte Vorwurf der Politik, die Bauunternehmen bauten nicht genügend Kapazitäten auf, geradezu zynisch. Wir fordern deshalb die Politik auf, Ausschreibungen konsequent an den Markt zu bringen, vor allem aber keine Ausschreibungen aus Preisgesichtspunkten zu verknappen und bewusst zurückzuhalten. Auch sollten natürliche Baupreissteigerungen – aufgrund von gestiegenen Baumaterialpreisen, zunehmenden gesetzlichen Vorgaben sowie gestiegenen Lohnkosten – sowohl in den Investitionsprogrammen als auch bei der konkreten Projektplanung konsequent berücksichtigt werden“, sagt Babiel.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hat seine Forderungen in 7 Punkten zusammengefasst.

Forderungen der BAUINDUSTRIE

© DIE BAUINDUSTRIE

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