Image
gicon_deponie_tagebau_5.jpeg
Foto: GICON
Die Einlagerung erster Abfälle auf der freigegebenen Deponiefläche beginnt.

Nachnutzung

Kies-Sand-Tagebau als Deponiestandort nachgenutzt

Die Planung und Errichtung der Deponie erfolgen nach dem neuesten Stand der Technik im laufenden Betrieb eines Kiessandtagebaus.

Kann man eine Deponie auf dem Gelände eines laufenden Tagebaubetriebes errichten, ohne Beeinträchtigung der Arbeitsabläufe und der Wirtschaftlichkeit? Vor dieser Frage stand die Firma SKR Sand - Recycling - Kies GmbH vor einigen Jahren und holte sich dazu die Spezialisten der Gicon-Gruppe an Bord. Heute, mehrere Jahre nach Planungsbeginn, steht Gicon-Projektleiter Volker Mörseburg auf der Basis der künftigen Deponie und nimmt gemeinsam mit den Behörden des Freistaates Sachsen und des Landkreises Meißen die letzten Arbeiten ab. Um die Deponie frostsicher zu machen, wurde auf der Dränageschicht eine zusätzliche Frostschutzschicht aus hierfür zugelassenen Abfallmengen aufgebracht. Ab sofort kann die Einlagerung von unbelasteten bzw. gering schadstoffhaltigen Abfällen der Kategorie DK 0 beginnen. Mörseburgs Antwort auf die eingangs gestellte Frage fällt daher eindeutig aus: „Mit dem erfolgreichen Abschluss des ersten Bauabschnitts haben wir bewiesen, dass es mit einer sorgfältigen Planung möglich ist, eine Deponie nach Abfallrecht auf einem aktiv betriebenen Bergwerksgelände zu errichten.“

Das Tongrubenurteil und seine Folgen

Maßgeblichen Anteil an der Entscheidung, eine Deponie auf dem Tagebaugelände von SKR zu errichten und zu betreiben, hatte das sogenannte „Tongrubenurteil“ von 2005, welches Fremdbodeneinlagerungen in Abbaugruben regelt. Die ursprünglich nach Berg-recht zugelassene Rückverfüllung von bestimmten Abfällen in bereits ausgekiesten Tagebaubereichen wurde im Rahmen neuer bergrechtlicher Bescheide verschärft. SKR-Geschäftsführer Andreas Kirst erinnert sich: „Die bisherige Praxis, mineralische Abfälle sowie gering belasteten Bauschutt, Straßenaufbruch, Bodenaushub oder Abraum für die gesetzlich vorgeschriebene Verfüllung zu nutzen, war so nicht mehr umsetzbar. Dieses Material entsprach den neuen Kriterien nur noch bedingt und war für die Rückverfüllung praktisch nicht mehr verwendbar. Als Füllmaterial durfte künftig nur unter Bergrecht als ‚unbedenklich‘ deklariertes Material verwendet werden. Dieses hätten wir großteils nur kostenneutral bzw. sogar mit zusätzlichen Kosten beschaffen müssen. Daher haben wir uns für die Errichtung einer voll funktionsfähigen Deponie auf einem Teil unseres Geländes entschieden, auch um unseren langjährigen Kunden weiterhin eine Entsorgungssicherheit für ihre Abfälle bieten zu können.“

Image
gicon_deponie_tagebau_1.jpeg
Foto: GICON Bau der technischen Barriere im Basisbereich des ersten Bauabschnittes im bereits ausgekiesten Tagebaubereich.

Bei der Deponie selbst handelt es sich um eine nach Abfallrecht (KrWG) geplante und genehmigte DK 0-Deponie, auf der Abfallerzeuger, Bauunternehmen oder Entsorgungs-betriebe aus der Umgebung hierfür zugelassene Abfälle gegen eine Gebühr ablagern können. Eine echte Win-win-Situation, wie Gicon-Projektleiter Volker Mörseburg erläutert: „Alle Auflagen aus dem Tongrubenurteil zur Rückverfüllung von Tagebaurestlöchern werden umweltgerecht erfüllt. Nicht unter Bergrecht rückverfüllbare Abfälle wer-den jetzt in der gesicherten Deponie abgelagert, sodass die Qualität von Grundwasser und Boden nicht beeinträchtigt wird. Zudem generiert SKR mit dem Betrieb der Deponie zusätzliche Einnahmen und spart sich somit den Einkauf von Füllmaterial.“ Ein weiterer Vorteil der jetzt gefundenen Lösung: durch die Anpassung der Deponie in die natürliche Umgebung wird die entsprechend des Rahmenbetriebsplans vorgesehene Wiederherstellung der Kontur des früheren Landschaftsbildes erreicht.

Image
gicon_deponie_tagebau_2.jpeg
Foto: GICON Bau der technischen Barriere im Basisbereich des ersten Bauabschnittes.

Auch die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen die Bergbaubetriebe, die ihre Gruben nach Beendigung des Abbaus wieder rückverfüllen müssen, seit dem Tongrubenurteil gleichermaßen stehen, kannten Volker Mörseburg und sein Team genau. Daher haben die Gicon-Ingenieure aus der Not eine Tugend gemacht und u.a. im Tage-baubetrieb gewonnenes Material anteilig zum Bau der Deponie verwendet, was neben Kosteneinsparungen auch zu einer positiveren CO2-Bilanz führte.

Image
gicon_deponie_tagebau_3.jpeg
Foto: GICON Verlegung der Kunststoffdichtungsbahn im Sickerwassersammelbecken.

Umfangreiche Planungsleistungen aus einer Hand

Die SKR Sand - Recycling - Kies GmbH hat sich seit mehr als 20 Jahren auf die Gewinnung von Sand und Kies aller handelsüblichen Arten sowie die Herstellung von Fertigbeton spezialisiert und betreibt dazu im sächsischen Strauch einen eigenen Tagebau. Nachdem die Entscheidung zur Errichtung einer Deponie gefallen war, wurde die Gicon-Großmann Ingenieur Consult GmbH zunächst mit einer Einzelfallprüfung beauftragt. Die Firma gehört zur in Dresden ansässigen, aber bundesweit tätigen Gicon-Gruppe, die seit mehr als 25 Jahren Spezialdienstleistungen anbietet und in-zwischen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Leistungen zur Deponieplanung werden dabei durch die BGD ECOSAX GmbH erbracht, die im Firmenverbund u.a. für Leistungen zu den Themen Boden, Grund- und Oberflächenwasser, Altlasten und Abfall verantwortlich zeichnet.

Image
gicon_deponie_tagebau_6.jpeg
Foto: GICON Aufbringung der einer mehrlagigen tonhaltigen Dichtungsschicht als technische Barriere und der darüberliegenden Kiesschicht zur Abführung der anfallenden Sickerwässer.

Im Projekt kümmerten sich die Gicon-Ingenieure vollumfänglich um die abfallrechtlichen Planungen, die Umweltverträglichkeitsprüfung, das Plangenehmigungsverfahren sowie die Eignungsfeststellung für die gewollte Mitnutzung von bergbaueigenen Rohstoffen beim Deponiebau. SKR-Geschäftsführer Andreas Kirst ist mit dem Endergebnis zufrieden: „Mit Gicon haben wir einen kompetenten und zuverlässigen Partner gefunden, der unsere Bedürfnisse vor Ort genau analysiert und verstanden hat.“ Ein Lob, das Projektleiter Mörseburg gern hört. „Durch die umfangreiche im eigenen Haus vorhandene Expertise können wir unseren Kunden ein Komplettpaket aus einer Hand schnüren. Planungs- und Gutachterleistungen sind ebenso inbegriffen wie Grundwasser- und Baugrundbewertungen“, erläutert er das bewährte Konzept seiner Firma. „Tagebau- oder Steinbruchbetreiber profitieren zusätzlich von unserem Know-how im Bereich Bergbau & Geotechnik. Kompetenzen im Bereich Genehmigungsverfahren sowie hauseigene Laborleistungen runden das Angebot ab.“ 

Errichtung der Deponie bei laufendem Tagebaubetrieb

Das künftige Einlagerungsvolumen der Gesamtdeponie wird etwas mehr als 300.000 m³ betragen, die Deponiegrundfläche (ohne Außenflächen) nimmt rund 3,5 ha ein. Die Basis der Deponie besteht aus einer mehrlagigen tonhaltigen Dichtungsschicht als technische Barriere und einer darüberliegenden Kiesschicht zur Abführung der anfallenden Sickerwässer. Dem im Januar 2021 von den Behörden abgenommenen und zur Einlagerung freigegebenen ersten Bauabschnitt sollen perspektivisch drei weitere folgen. Das Grundgerüst dafür haben die Ingenieure um Volker Mörseburg mit ihren Planungen bereits gelegt, die Genehmigung hierfür liegt vor. Detailplanung und Errichtung wären so – bedarfsangepasst – innerhalb kurzer Zeit möglich. Neben der wirtschaftlichen Umsetzung war das Hauptkriterium für das Gelingen der jetzt freigegebenen Deponiefläche die Integration in den aktiven Tagebaubetrieb. Projektleiter Mörseburg erklärt die wesentliche Herausforderung: „Für uns war von Anfang an klar, dass der laufende Tagebaubetrieb durch Deponiebau und -betrieb nicht unterbrochen werden darf. Andernfalls wäre die Errichtung für SKR nicht wirtschaftlich darstellbar gewesen. Die zentrale Lage auf dem Tagebaugelände und neu angelegte Zufahrtswege machen die Deponie für Anlieferfahrzeuge aller Größen gut erreichbar, ohne die täglichen Abläufe im Tagebaubetrieb zu behindern.“

Ressourcenschonung und Flächenverbrauch im Fokus

Ein weiteres Thema, welches die Gicon-Ingenieure bei ihren Planungen im Fokus hatten, kann unter dem Sammelbegriff „Nachhaltiges Wirtschaften“ zusammengefasst werden. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an Deponien und Abfallentsorgung stetig gewachsen. Daher haben die Gicon-Ingenieure Themen wie Umweltverträglichkeit, Flächenverbrauch, wasserrechtliche Genehmigung, Oberflächen- und Sickerwasserabfluss von Beginn an mitgedacht. Die Deponie wurde entsprechend der Deponieverordnung nach aktuellem Stand der Technik geplant und kann entsprechend der zukünftigen Entsorgungssituation bedarfsgerecht erweitert werden. Nachdem die Behörden den Genehmigungsbescheid ausgestellt hatten, folgte die konkrete Ausführungsplanung und bauliche Umsetzung des ersten Bauabschnitts. Die reine Bauzeit hierfür betrug rund sechs Monate. Auch hier konnte Gicon seine Expertise einbringen und die Bauleitung und Örtliche Bauüberwachung übernehmen. „Neben allen fachlichen Anforderungen haben wir uns im Sinne unseres Kunden an zwei Leitgedanken orientiert“, beschreibt Diplomingenieur Mörseburg die grundsätzliche Vorgehensweise. „Bereits vollständig ausgekieste Aushubflächen wurden für die Deponie genutzt, um den Flächenverbrauch zu optimieren. Gleichzeitig ist am tiefsten Punkt ein Sammelbecken für ablaufendes Sickerwasser entstanden, welches per Tankfahrzeug regelmäßig ab-gepumpt wird. Die Aufbereitung erfolgt auf kurzem Transportweg im nahegelegenen Klärwerk. Anfallendes unbelastetes Oberflächenwasser wird vor Ort versickert. Der zweite Gedanke war eher optischer Natur: wir wollten die Deponie so unscheinbar wie möglich ins Landschaftsbild einpassen. Wenn die Deponie eines Tages ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat, wird auf der Oberfläche eine humushaltige Rekultivierungsschicht aufgefüllt, die Pflanzenwachstum ermöglicht.“

Für SKR bedeutet die jetzt umgesetzte Variante mit mehreren Bauabschnitten und der Möglichkeit einer zukünftigen Erweiterung maximale Flexibilität. Geschäftsführer Andreas Kirst: „Dank der modularen Planung können wir relativ schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und das Deponiegelände nach dem Baukastenprinzip vergrößern ohne komplett neu in die Planung und Genehmigung einsteigen zu müssen.“ Für Tagebau- oder Steinbruchbetreiber, die ebenso vor der Herausforderung stehen, ihre Abbauflächen nach Ausschöpfung der Lagerstätte wieder aufzufüllen, kann die im Kiessandtagebauch Strauch gefundene Variante eine wirtschaftliche und effiziente Lösung darstellen. Zudem werden gesetzliche Vorgaben erfolgreich mit hochaktuellen Themen wie Flächenverbrauch, Ressourcenschonung und Klimaschutz verbunden. Zukünftig sind dann auch die Regelungen der neuen Mantelverordnung und hier insbe-sondere die Änderungen in der Deponieverordnung zu berücksichtigen.

Nach der erfolgreichen Abnahme durch die Behörden dreht Volker Mörseburg mit prüfendem Blick eine letzte Kontrollrunde auf dem künftigen Deponiegelände und zieht Bilanz. „Zu sehen, wie im Laufe der Zeit aus ersten Planungsentwürfen und Skizzen eine voll funktionsfähige Deponie entsteht, die alle planerischen Ansprüche des Auftraggebers erfüllt, ist ein schönes Gefühl. Für die Detailplanung und Umsetzung der weiteren genehmigten Bauabschnitte kommen wir gern hier nach Strauch zurück.“

Foto: vero

Nachnutzung

Dinosaurier im Steinbruch

In Münchehagen, nicht weit entfernt vom Steinhuder Meer, dem größten See Nordwestdeutschlands, hat sich ein außergewöhnliches Nachnutzungskonzept etabliert.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (l.), der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (2.v.l.) und Messechef Klaus Dittrich (3.v.l.) setzten 2016 den ersten Spatenstich für die Vollendung des Münchner Messegeländes.
Foto: Messe München

Kennen Sie die bauma? Teil 4:

Ein Standort für die Ewigkeit?

In den 65 Jahren ihres Bestehens wurde die bauma an drei Messe-Standorten veranstaltet. Die Weltleitmesse für Baumaschinen stieß immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen – selbst nach der aktuellen Erweiterung des Messegeländes. Ein erneuter Standortwechsel stellt für die Macher der bauma dennoch keine Option dar.

Archiv

Sortimentsvergrößerung nach Standortwechsel

Das HKL Center in Nürnberg Fürth hat vor wenigen Tagen den Standort gewechselt und ist nun in der Wiesbadener Straße 7a in Nürnberg Schmalau zu finden. Auf rund 6 000 qm steht den Kunden ein noch größeres Angebot an leistungsstarken Baumaschinen und modernem Profi-Equipment zur Verfügung.

Foto: Foto: Linser

Archiv

Umzug an den neuen Standort

Die Linser Industrie Service GmbH ist komplett nach Troisdorf umgezogen. Dabei wurden auf 12.000 m² Fertigung, Konstruktion, Qualitätskontrolle, Lager und Verwaltung zusammengeführt.

Wir haben noch mehr für Sie!

Aktuelle Entwicklungen in der Branche, neue Maschinen und Anlagen, Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte gibt es alle 14 Tage aus unseren Fachredaktionen direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an - schnell und kostenlos!
Asphalt & Bitumen Newsletter
 
Straßen- und Tiefbau Newsletter
 
Steinbruch und Sandgrube Newsletter
 
DSB – Die Schweizer Baustoffindustrie Newsletter
 
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.