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Nagra-Chefgeologe Tim Vietor und seine zwei Kollegen führen die Studierenden zum Bohrplatz.
Foto: Nagra
Nagra-Chefgeologe Tim Vietor und seine zwei Kollegen führen die Studierenden zum Bohrplatz.

Tunnel

Mehrgenerationenprojekt Tiefenlager

«Ich werde den Verschluss des Tiefenlagers nicht mehr erleben», sagt Nagra-Chefgeologe und ETH-Dozent Tim Vietor. Bis der letzte Behälter mit Atommüll eingelagert ist, dauert es noch über 50 Jahre.

Im Studiengang Ingenieurgeologie an der ETH Zürich gibt Vietor sein Wissen und seine Erfahrung der nächsten Generation von Geologinnen und Geologen weiter. Denn sie sind es, die dereinst das Mehrgenerationenprojekt Tiefenlager zu Ende führen werden. Endlich mal keine Online-Vorlesung! Es ist kurz nach 9 Uhr, Tim Vietor begrüsst seine Studenten am Bahnhof in Bülach. Die Exkursion findet statt – trotz Corona. Alle zeigen dem ETH-Dozenten auf ihren Smartphones ein Bild ihres negativen Corona-Schnelltests, alle tragen Masken. Mit dem Bus geht es los Richtung Nagra-Bohrplatz in der Gemeinde Stadel. Hier heisst es: Overall, Helm, Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Schutzbrille und los geht’s.

Wie man über einen Kilometer tief in den Boden bohrt, wissen die Ingenieurgeologie-Studentinnen und Studenten aus der Vorlesung. Sie kennen die Theorie. Heute sehen sie die Praxis. Nagra-Chefgeologe Vietor und seine zwei Kollegen führen die Studierenden über den Bohrplatz, zeigen wie man die Gesteinsproben aus der Tiefe hochangelt und wie ein Teil der Proben für weitere Untersuchungen im Labor abgepackt werden. «Wir müssen die Gesteine im Untergrund genau kennen, um so den sichersten Ort für das Tiefenlager zu finden. Nur in einem Tiefenlager können wir die radioaktiven Abfälle der Schweiz sicher für bis zu einer Million Jahre lang lagern», erklärt Vietor.

50 Jahre… ein Projekt mit einem beeindruckenden Zeitplan

Die nächste Station der Exkursion ist das Kernzwischenlager in Würenlingen. Alle Gesteinsproben, welche nicht im Labor analysiert werden, machen in dieser Lagerhalle einen Zwischenstopp: Hier werden die Bohrkerne von Nagra-Geologinnen und -Geologen genau angeschaut und für die Langzeitarchivierung vorbereitet. Alles wird genau dokumentiert. Entlang der Gesteinsschichten reisen die Studierenden mit ihrem Dozenten durch die Erdgeschichte. Es gilt der Grundsatz: je tiefer, desto älter. «Die Gesteine, die wir hier sehen, sind im Schnitt während einer Zeitspanne von einer Million Jahre entstanden», erklärt Vietor. Bis zu dem Punkt, an welchem für die nächsten 100 Meter nur noch ein mausgraues Gestein vorherrscht: Der Opalinuston, diejenige Gesteinsschicht, welche den Atommüll der Schweiz sicher einschliessen soll. Abgelagert wurde der Opalinuston in «lediglich» einer Million Jahre – für geologische Verhältnisse ist das tatsächlich ein sehr kurzer Zeitraum. «Weil der Opalinuston so schnell abgelagert wurde, ist er sehr gleichmässig und deshalb eigentlich auch langweilig. Genau das, was wir für ein Tiefenlager brauchen», erklärt Vietor. In seiner Vorlesung gibt er sein Wissen und seine Erfahrung der nächsten Generation von Geologinnen und Geologen weiter. Denn er selbst wird den Verschluss des Tiefenlagers nicht mehr erleben. Bis der letzte Behälter mit Atommüll im Opalinuston eingelagert ist, dauert es noch über 50 Jahre. Jüngere Generationen werden das Mehrgenerationenprojekt Tiefenlager weiter vorantreiben und abschliessen. (wm./red.)

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