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Foto: Volker Müller
Andreas Burger (l.) und Fritz Eckard Lang.

Verbändekreis Leitungssysteme

Qualität ohne Kompromisse

Für eine Qualität ohne Kompromisse setzt sich der im August gegründete Verbändekreis Leitungssysteme ein. Bereits im Vorfeld hatte der RBV erläutert, worum es dabei geht.

Mitglieder der Initiative sind der Rohrleitungsverband e.V. (RBV), die German Society for Trenchless Technology e.V. (GSTT) und der Rohrleitungssanierungsverband e.V. (RSV). Während einer Pressekonferenz wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung der drei Partner erklärte RBV-Präsident Fritz Eckard Lang Hintergründe und Themenschwerpunkte für die gemeinsame konstruktive Arbeit. Themen, bei denen die Verbände gemeinsam gefordert sind, umfassen die Nachwuchsproblematik, das Image der Branche sowie den Klimaschutz. Insgesamt will die Initiative die missliche Lage der Infrastruktur nachhaltig verbessern.

Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen

„Leitungsbau hat Perspektive!“, konstatierte Lang und verwies in diesem Zusammenhang auf den Facharbeitermangel am Bau. Zwar nehmen die Zahlen der Auszubildenden in dieser Branche zu, doch reicht das bei weitem nicht, um die drohenden Engpässe in Zukunft abzufedern. „Azubis sind bei uns ein Dauerbrenner-Thema. Was kommt, reicht nicht“, bestätigte Mario Jahn, Geschäftsführer der RBV GmbH, die im Verband zuständig für die Aus- und Fortbildung ist.

Dr. Ralph Donath, auf der jüngsten Mitgliederversammlung neu gewählter Vizepräsident des RBV, ging auf das Thema sichere Energieversorgung ein. Er setzt dabei auf Wasserstoff, der seiner Meinung nach nicht gleich von Beginn an „grün“ sein muss. Der Vorteil dieses Energieträgers liegt darin begründet, dass er im bereits vorhandenen Gasnetz transportiert werden könne.

Vermögenswerte schützen

Ein weiterer Dauerbrenner im Leitungsbau ist der Ausbau des flächendeckenden Breitbandnetzes. Die Politik drängt auf einen zügigen Ausbau, weil sie zugesagt hat, das schnelle Netz bis 2025 zu realisieren. Doch das erscheint aus Sicht der Praktiker unmöglich, wenn man keine faulen Kompromisse bei Eingriffen in die vorhandene Infrastruktur eingehen möchte, den qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Weg weiter beschreiten und die vorhandenen unterirdischen Vermögenswerte schützen möchte.

Qualitätsstandards erhalten

Lang forderte nachdrücklich: „Es kann nicht sein, dass wir angesichts des politischen und gesellschaftlichen Drucks aktuell in ein panisches Sprinttempo verfallen, das den in unserer Branche selbstverständlichen Qualitätsstandards keinerlei Rechnung trägt. Vielmehr gilt es hier ein wohldosiertes Tempo zu wählen, das auf die Gesamtheit aller in den Sparten Wasser, Gas, Strom, Fernwärme und Abwasser erforderlichen Leitungsarbeiten abgestimmt werden muss.“

Untiefe Verlegeverfahren in der Kritik

Micro- oder Mini-Trenching sind sogenannte untiefe Verlegeverfahren, mit denen zügig Meter gemacht werden können. Damit ließe sich der Breitbandausbau deutlich beschleunigen. Doch zum welchem Preis? Im Mai dieses Jahres wurde dafür eine Novellierung des Telekommunikationsgesetzes im Bundesrat durchgewinkt. Die TKG-Novelle sieht jedoch keine Antragsprüfung mehr vor, sondern lediglich eine Anzeigepflicht, in der der Ausführende für etwaige Schäden die Haftung übernimmt.

Lasche Novelle

Harsche Kritik an dieser Vorgehensweise äußerte Andreas Burger, Vorsitzender der Bundesfachabteilung Leitungsbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und Vizepräsident im RBV: „Die in der Novelle formulierten Ansätze werden zu massiven Schäden an der Straßeninfrastruktur führen, da vorab nicht wie in einer Antragsprüfung technisch abgewogen werden kann, ob sich ein mindertiefes Verfahren für den Einsatz in einer Verkehrsfläche eignet.“ Und weiter: „Auf diesem Weg werden wir nicht – wie beabsichtigt – eine Entlastung der Straßenbaulastträger erreichen, sondern dringliche Fragestellungen von Nachhaltigkeit und Qualität in deren Richtung verlagern und abschieben.“

Die TKG-Novelle sieht vor, konkrete Schäden innerhalb von drei Jahren bei den Betreibern anzuzeigen. Der Aufwand sei deutlich größer als eine Prüfung bei der Antragsstellung, meint Burger.

Keine Kostenersparnis

RBV-Hauptgeschäftsführer Dieter Hesselmann mahnte in diesem Zusammenhang: „Wir setzen die Betriebssicherheit unserer Bestandsinfrastrukturen von Gas, Wasser, Fernwärme und Strom aufs Spiel, wenn wir diese mit TK-Linien ohne Sinn und Struktur überbauen.“ Er warnte davor, „ein über lange Jahre gewachsenes System hervorragender technischer Regeln für den Bau erdverlegter Rohrleitungen zu unterhöhlen“. Gemeint sind damit Regelwerke und Richtlinien bezüglich definierter Tiefenlagen und Mindestabstände. Hesselmanns Fazit: „Die geplante mindertiefe Verlegung von Telekommunikationskabeln wird in Summe weder zu Kostenersparnissen, noch zu einer massiven Beschleunigung von Baumaßnahmen führen, sondern nur einem forcierten Qualitätsverlust Vorschub leisten.“

Abgestimmtes Vorgehen der Verbände

Diese und ähnliche Überlegungen gibt es auch in den genannten anderen Verbänden, die sich zur Initiative „Zukunft Leistungsbau“ und jetzt zum „Verbändekreis Leitungssysteme“ zusammengeschlossen haben. „Mit dem neu konstituierten Verbändekreis geht es nun darum, gemeinsam proaktiv weitere Gestaltungsspielräume zu definieren, diese zu nutzen und effektiv auf strategisch wichtige Entwicklungen der Branche Einfluss zu nehmen“, so RBV-Präsident Lang. Dazu will man sich bei Prozessen zu Normen und Regelwerken abstimmen und ebenso an nationalen und europäischen Gesetzesvorlagen mitwirken.

www.rohrleitungsbauverband.de

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Foto: Volker Müller
Dr. Ralph Donath.
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Foto: Volker Müller
Dieter Hesselmann.

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