Der umgerüstete Saugbagger am Haken der beiden Liebherr-Mobilkrane.
Foto: Robert Ruthenberg

Nassgewinnung

Saugbagger mit E-Antrieb geht in Betrieb

Mit Inbetriebnahme eines umgerüsteten Saugbaggers beweist die Westquarz Tecklenborg GmbH, dass sich Ökonomie sowie Ökologie unter einen Hut bringen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Im Münsterland, nahe der holländischen Grenze, betreibt das Unternehmen Westquarz Tecklenborg verschiedene Rohstoffproduktionsstätten. Aus den Sandwerken werden jährlich mehrere Hunderttausend Kubikmeter feinster Haltener Sande mit einem Quarzgehalt von bis zu 99,8 % gefördert. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen am Standort Haltern-Lavesum in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) einen weiteren Abbau für Füll- und Siebsande.

Im Jahr 2012 entschloss sich die Geschäftsleitung um Thomas Tecklenborg den Standort Dülmen-Merfeld erheblich (von 8 bis auf 20 ha) auszubauen. Zu diesem Zweck galt es neben den üblichen Behördengenehmigungen auch die Anrainer zwecks Ankauf von Gelände zu kontaktieren. Eine Auflage der Behörden war es, den bisher eingesetzten Saugbagger mit Dieselmotor gegen einen solchen mit Elektroantrieb und Schneidkopf zu tauschen. Geringere Lärmpegel, keine Dieselabgase vor Ort sowie einen besseren Gewässerschutz im Falle eines Falles sollten der Umwelt zugute kommen. Nach einigen Recherchen und Kontakt zum bekannten norddeutschen Unternehmen Heinrich Döpke GmbH in Norden, entschloss sich Tecklenborg 2018 zum Kauf eines gebrauchten Saugbaggers mit Schneidkopf sowie Jet-Fördersystem vom Typ CIIIE.

Retrofit Elektro-Saugbagger

Der Saugbagger wurde bis 2018 in Österreich bei einem Kies- und Sandförderbetrieb eingesetzt. Die Kosten für einen neuwertigen Schneidkopf-Saugbagger liegen übrigens, je nach Ausstattung und Zubehör, zwischen 1 und 1,5 Mio. Euro. Der 46 m lange Saugbagger wiegt 90 t und wurde auf die Bedürfnisse von Westquarz umgebaut. Seitens der Norddeutschen galt es den Schneidkopf zu überholen sowie die Schneidkopfleiter umzubauen, damit man zukünftig sowohl mit Schneidkopf als auch mit Jetkopf durch Umbau arbeiten kann. Die Saug- und Druckrohrleitungen wurden entsprechend den neuen Anforderungen angepasst. Darüber hinaus galt es, die Konstruktionspläne aufgrund der Neuinstallationen zu ändern sowie einen ergänzenden Schwimmstabilitätsnachweis zu erbringen. Da Geschäftsführer Tecklenborg keine getrennten 400 V Elektroleitungen zum Saugbagger haben wollte, sondern nur eine einzige, wurde von Döpke heckseitig eine Aufnahme für eine schwimmende Trafosta-
tion konstruiert, gefertigt und montiert. Die 10 kV-Trafostation (Leistung: 500 kVA) stammt vom Unternehmen Westquarz selber und wurde auch von deren Mitarbeitern installiert.

Der Saugbagger ist nunmehr mit einer Druckrohrleitung mit Nennweite (NW) 250 ausgestattet. Das hieraus resultierende Wasser-Sand-Gemisch beträgt ca. 900 m³/h. Die Feststoffförderung ist im Wesentlichen abhängig vom Vorkommen. Bei gut zum Saugrohr hin nachrutschendem Material lässt sich stets eine bessere Feststoffleistung erzielen, als bei festem Untergrund. Thomas Tecklenborg geht von einem Wasser-Sandgemisch von rund 900 m³/h aus und damit von einer Feststoffförderung von etwa 100 bis 120 m³/h.

Verschleißarme Konstruktion

Der Schneidkopf, bestehend aus austauschbaren Zähnen, kommt wesentlich im Böschungsbereich zum Einsatz, um die von den Behörden vorgeschriebenen Böschungswinkel genau einzuhalten und abarbeiten zu können. Darüber hinaus kann er bei schwierigen Bodenverhältnissen ein besseres Löseverhalten erzielen. Die Jet-Anlage hat den großen Vorteil, dass sie in ihrer Arbeitsweise wesentlich verschleißärmer ist und somit kostensparender arbeitet, und dass das Sand/Wassergemisch besser durchmischt wird. Diese Jet-Anlage kommt im Merfelder Baggersee ausschließlich bei der Sandförderung in der Seemitte zum Einsatz.

Die Jetanlage verfügt über eine Anschlussleistung von 75 kW, der Schneidkopf über 110 kW. Der Baggerpumpenantrieb hat einen 200 kW-Antriebsmotor mit Frequenzregelung. Die maximale Abbautiefe wird mit 22 m angegeben. Aufgrund des sehr abrasiven Sandes halten die Schneidkopfzähne nur etwa einen Monat. Bei Verschleiß können die Zähne über die Verbindungselemente gelöst und einfach ausgetauscht werden. Ein Aufpanzern im Bereich der Zahnhalter sowie der des Schneidkopfbereiches ist bei Bedarf möglich.

Feierliche Inbetriebnahme

Am 2. Oktober 2019 wurde der so umgerüstete Elektro-Saugbagger auf dem Baggersee in Merfeld zu Wasser gelassen. Hierzu wurden zwei mobile Autokrane des Kranvermietungsunternehmens Schares im Tandemhub eingesetzt. Es handelte sich um zwei Liebherr-Mobilkrane vom Typ LTM 1500-8.1, welche über eine maximale Traglast von 500 t (bei 3 m Ausladung) verfügen. Ihre maximale Hubhöhe (mit wippbarer Gitterspitze) beträgt 145 m, die maximale Ausladung 108 m.

Das Hochheben und Absetzen des Döpke-Saugbaggers erfolgte, wie zu erwarten war, völlig problemlos, vor einem doch recht zahlreich anwesenden, fachkundigen Publikum. Die Mitarbeiter des Unternehmens Schares mussten sich danach etwas sputen, um die gesetzlich vorgeschriebenen Transportzeiten für Schwerlastgüter auf den Deutschen Straßen auch beim Abtransport noch einzuhalten.

Die hochreinen und fast weißen Silbersande aus Merfeld mit Körnungen von 0 bis 2 mm werden hauptsächlich in der Bauindustrie sowie im Freizeitbereich, hier als Spielplatz-/ Fallschutzsand, Reitplatzsand oder für Beachvolleyballarenen verwendet. Auf Grund der Reinheit des Sandes kann er auch in der Glasindustrie sowie in Gießereien und zur Kalksandstein-Produktion eingesetzt werden. Die Sande aus den anderen Baggerseen kommen auch als Füllsand, Frostschutz/Pflastersand, Beton-
sand und anderes mehr zum Einsatz. In Merfeld wird in der Regel einschichtig gearbeitet, aber auch ein Zwei-Schichtbetrieb ist laut Behördengenehmigung möglich.

Geschäftsführer Thomas Tecklenborg betonte bei einem Gespräch mit SUSA extra, wie wichtig ihm die Umwelt in und an seinen Baggerseen sei. So wurden Sandwälle zwecks Sicht- und Schallschutz aufgeworfen statt öde, hässliche Zäune oder gar Bretterwände / Betonmauern aufzustellen. Zudem wies er darauf hin, dass Baggerseen ein Refugium für seltene Tier- und Vogelarten seien. Wie zum Beweis schwammen ein paar Enten vorbei, die sich an dem aktuellen Betrieb rein gar nicht störten. Der alte dieselangetriebene Saugbagger wird übrigens nun verkauft. (Robert Ruthenberg)

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