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Nach Fertigstellung des 16. Bauabschnitts droht ein Verkehrschaos an dessen Ende, deshalb soll der 17. gebaut werden
Foto: Berliner Senat
Nach Fertigstellung des 16. Bauabschnitts droht ein Verkehrschaos an dessen Ende, deshalb soll der 17. gebaut werden

Straßenbau

Streit um die Verlängerung der A 100 spitzt sich nach Ausschreibung zu

Die Ausschreibung für Planungsleistungen für den 17. Bauabschnitt der A 100 in Berlin sind veröffentlicht worden. Der Berliner Senat lehnt die Pläne als „Verkehrspolitik von gestern" ab.

Das Bundesverkehrsministerium will den umstrittenen Weiterbau der Berliner Stadtautobahn A 100 in Richtung Lichtenberg umsetzen. Entsprechend der Ausschreibung durch die Autobahn GmbH soll bis 2025 nun die Linienführung der A 100 in dem Abschnitt von der Elsenbrücke bis zur Storkower Straße klar festgelegt werden. Auf der Strecke ist unter anderem geplant, eine zweispurige Straße mit Wohnhäusern an beiden Seiten zu untertunneln und dort die Autobahnspuren übereinanderzulegen. 2027 soll dann das Planfeststellungsverfahren folgen.

Derzeit wird der 16. Bauabschnitt gebaut, der im Jahr 2024 in Betrieb genommen werden soll. Gegen den Ausbau des 17. Bauabschnitts bis zur Südspitze von Prenzlauer Berg noch in dieser Legislaturperiode spricht sich der rot-grün-rot regierte Berliner Senat aus.

„Sowohl der 16. als auch der 17. Bauabschnitt sind für die Verkehrsführung in dieser Stadt zentral", sagte die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverkehrsministeriums, Daniela Kluckert (FDP), der „Berliner Morgenpost". Die Autobahn sei nötig, um die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten und West- und Ostteil der Stadt besser zu verbinden, unterstreicht Kluckert die Begründung, die ihren Wahlkreis in Berlin-Pankow hat und seit 2017 Mitglied im Deutschen Bundestag ist.

Der Bundestag hat den Bundesverkehrswegeplan beschlossen, in dem der 17. Bauabschnitt „mit Priorität" vorgesehen ist. Mit der Ausschreibung der Planungen ist nun klar, dass weitergebaut werde. Die Linienführung der A 100 in diesem Abschnitt wird zunächst noch einmal nach Umwelt- oder Lärmkriterien überprüft und danach dementsprechend umgesetzt.

Zerstrittenes Berlin

In der Berliner Landespolitik ist der Weiterbau der Stadtautobahn A 100 heftig umstritten, auch eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und protestiert immer wieder mit Aktionen gegen die Verwirklichung des 16. und 17. Bauabschnitts. Berlins Umwelt- und Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) hatte noch im Wahlkampf vor der Abgeordnetenhauswahl den Stopp des Autobahnausbaus gefordert. Der 16. Bauabschnitt soll nicht mehr als Autobahn realisiert werden, sondern in eine Bundesstraße mit Radwegen umgewandelt werden. Der 17. Bauabschnitt sollte gar nicht mehr begonnen werden. Die Linken wandten sich ebenfalls gegen die Verlängerung der Autobahn.

Die SPD mit der damaligen Spitzenkandidatin und jetzigen Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey an der Spitze lehnte dagegen einen Stopp des Autobahnausbaus ab. Im Koalitionsvertrag verständigte sich der rot-grün-rote Senat dann darauf, sich für die Errichtung einer Lärmschutzwand auf der Ostseite des 16. Bauabschnitts der A 100 einsetzen und den 17. Bauabschnitt in dieser Legislaturperiode nicht mehr in Angriff zu nehmen. Bürgermeisterin Giffey zeigte sich von der Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums überrascht, da sie von der Ausschreibung aus der Presse erfuhr. Sie hätte sich gewünscht, dass die Schritte, die der Bund unternimmt, mit dem Senat abgestimmt werden und erwarte, dass der Bund den Dialog mit der Landesregierung suche. Es wäre ein Novum, wenn das Bundesverkehrsministerium versuchen würde, ein Projekt dieser Dimension gegen den Willen einer Landesregierung durchzusetzen; noch dazu mit der Begründung, ein Stück Autobahn mitten durch die Stadt sei Bundesinteresse. Aber wie der Senat nun mit diesen Plänen umgehen kann, ist offen.

Eine lange Geschichte

Die Idee, die A 100 in den Nordosten Berlins zu verlängern und den Ring möglicherweise ganz zu schließen, ist so alt wie die Autobahn selbst. 1958 wurde der erste Abschnitt der A 100 eröffnet. Danach sollte sich ein Rautennetz aus Asphalt über Berlin legen und der Ring schließlich vollendet werden. Weitergebaut aber wurde, wegen der Teilung der Stadt, nur im Westen. Die Autobahn wurde bestenfalls ein Halbkreis statt eines Rings.

Nach der Wiedervereinigung kam buchstäblich neue Fahrt in die Debatte: 1999 erstellten Ingenieurbüros eine Vorplanung für den Senat, auf welcher Route die A 100 weitergezogen werden sollte. Für die Fachleute war es eine verzwickte Angelegenheit: eine Autobahn durch Wohn- und Gewerbegebiete führen und dabei immer wieder Bahngleise kreuzen. Diverse Brücken bauten sie in die Pläne ein, mehrere Tunnel, davon einen sogar doppelstöckig - durch eine besonders enge Straße. Wohnhäuser, die im Weg stehen, müssten weg. Groß was geändert wurden an diesen Plänen nicht mehr.

Bleibt es dabei, würde der 17. Abschnitt vom Treptower Park über die Elsenbrücke verlaufen, die allerdings gerade grundlegend saniert wird. Ein Teil von ihr müsste wieder abgerissen werden. Danach arbeitet sich die A 100 durch Wohnstraßen vor, taucht in einem zweistöckigen Tunnel unter dem Ostkreuz durch, 5 massive Betonblöcke wurden bereits als Vorleistungen unter den Bahnhof gebaut. Auf der östlichen Seite der Ringbahn kommt die Autobahn wieder ans Licht, führt auf einer Rampe über das Ring-Center hinweg, überkreuzt die Frankfurter Allee und endet nach 4,1 km nahe des S-Bahnhofs Storkower Straße.

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