Foto: Reko B.V.

Teer

Zweite Aufbereitungsanlage für Teer

Im Herbst 2020 wird Reko B.V. im Rotterdamer Hafen seine zweite Anlage zur thermischen Aufbereitung von Teer fertigstellen und ist dann in der Lage, bis zu 1,8 Mio. t pro Jahr umweltfreundlich aufzubereiten.

Inhaltsverzeichnis

Teer- und pechhaltiger Straßenaufbruch muss aufgrund seiner krebserregenden und wassergefährdenden Wirkung in Deutschland seit 2018 deponiert oder thermisch gereinigt werden, um die enthaltenen krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen zu vernichten. Doch in Deutschland existieren aktuell keine für die Behandlung von teerhaltigem Straßenaufbruch geeigneten thermischen Aufbereitungsanlagen. Das niederländische Unternehmen Reko B.V. aus Rotterdam hat sich auf die thermische Behandlung von teerhaltigen Straßenbaustoffen spezialisiert. Das Verfahren zeichnet sich nach einer Ökobilanzstudie des Fraunhofer Instituts für Silicatforschung ISC sowohl durch einen hohen Wirkungsgrad bei der Schadstoffbeseitigung als auch durch hohe Energie- und Ressourceneffizienz aus.

Die zweite Anlage

In den Niederlanden fallen jährliche etwa 1,1 Mio. t, teerhaltiger Straßenaufbruch an. Eine Untersuchung von Reko B.V. hatte gezeigt, dass überall im europäischen Ausland (Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich, Schweiz) große Mengen von teerhaltigem Straßenaufbruch anfallen, die bisher mangels Alternative größtenteils deponiert werden. Schon heute werden erhebliche Mengen aus Deutschland in der Rotterdamer Anlage aufbereitet. Dazu wird der Straßenaufbruch per Binnenschiff in den Rotterdamer Hafen transportiert.

Deshalb entschloss man sich zum Bau einer zweiten thermischen Reinigungsanlage nach dem neuesten Stand der Technik. Diese – mit einem Investitionsvolumen von 125 Mio. Euro – befindet sich bereits im Bau und soll noch 2020 fertiggestellt werden. Sie wird eine Reinigungskapazität von 1,2 Mio. t pro Jahr aufweisen. Im Vergleich zur ersten Anlage von 2006 ist sie um ein Vielfaches energieeffizienter und nachhaltiger.

Hochwertiger Recyclingbaustoff zur Eigenversorung

Das Unternehmen nahm bereits 2006 seine erste thermische Reinigungsanlage für teerhaltigen Straßenaufbruch in Betrieb. Dabei wird der Straßenaufbruch zuerst zerkleinert. Anschließend wird der Teer mit seinen toxischen, organischen Bestandteilen wie PAK bei einer Temperatur von 850 bis 1.000 Grad verbrannt und so vollständig vernichtet. Zurück bleibt der mineralische Anteil (Sand/Kies/Füller) als hochwertiger Sekundärbaustoff.

Die Niederlande besitzen aufgrund ihrer geologischen Verhältnisse nur sehr geringe Mengen an abbaubaren Gesteinsressourcen. Jedes Jahr müssen deshalb etwa 25 Mio. t Primärrohstoffe wie Sand und Kies importiert werden aus Belgien, Deutschland, Norwegen und Irland. Umso interessanter ist die thermische Reinigung des teerhaltigen Straßenaufbruchs, da die dadurch generierten Sekundärrohstoffe im Land verbleiben und als Ersatzbaustoffe eingesetzt werden können, die primären Rohstoffen absolut gleichwertig sind.

Viele ökologische Effekte

Ein weiterer ökologischer Gewinn ist die Nutzung der Abwärme zur Stromproduktion. Mit den heißen Rauchgasen wird Dampf produziert, der eine Dampfturbine und einen Generator zur Stromproduktion antreibt. Damit können in der existierenden Anlage etwa 5 MW Strom/Stunde erzeugt werden. Genügend Strom, um ca. 9.000 Familien zu versorgen.

Nach dem Abkühlen werden die Rauchgase in mehreren Stufen gereinigt. Zuerst werden sie durch zwei Gewebefilter entstaubt. Der Staub wird als Öko-Füllstoff an die Beton- oder Asphaltindustrie abgegeben.

Das Stickstoffoxid in den Rauchgasen wird dann durch eine katalytische DeNOx-Anlage in unschädlichen Stickstoff und Sauerstoff umgewandelt. In einer DeSOx-Anlage (Gaswäscher) werden die Rauchgase anschließend von Schwefeloxid gereinigt, das durch die Verbrennung von Schwefel entstand, welcher in hoher Konzentration Bestandteil des Teers war. Durch Auswaschen der Gase mit Kalkwasser wandelt sich das Schwefeloxid in einer chemischen Reaktion in synthetischen Gips. Dieser Gips eignet sich für hochwertige Anwendungen in der Bauindustrie. Aus dem Schornstein der Anlage entweicht schließlich nur noch Wasserdampf, es bleiben keinerlei Schadstoffe übrig. Dies ergibt einen Recyclinggrad von 100 % der Ausgangsmaterialien.

Schon beim Verbrennungsvorgang kann Erdgas eingespart werden. Durch innovative Rauchgasrückführung wird die Gesamtmenge an Rauchgas reduziert. So lässt sich Strom bei Ventilatoren und Gaswäschern einsparen. Durch eine moderne Windsichteranlage lässt sich der abgetrennte Staub genauer nach Korngröße abtrennen. Weil die Betonindustrie so Staub und Granulate höherer Qualität erhält, kann sie Zement einsparen.

Für die zweite Anlage wird eine Steigerungsrate bei der Energiegewinnung von 400 % erwartet, als an Brennstoff (Erdgas) zum Betrieb aufgewendet wurden. Durch den Einsatz moderner Anlagentechnik kann aus der Prozessabwärme ein Vielfaches an Energie generiert werden. Mit max. 28 MW/Stunde reicht die Strommenge zur Versorgung von etwa 70.000 Familien. Alternativ bietet die neue Anlage die Möglichkeit, die gewonnene Abwärme (z.B. im Winter oder morgens) direkt ins Fernwärmenetz von Rotterdam einzuspeisen, um Wohnungen und Gewächshäuser umweltfreundlich zu beheizen.

Egal woher, das Aufbereitungsverfahren ist umweltfreundlicher

„Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts von 2019 haben bewiesen, dass unsere Anlagen zur thermischen Reinigung von teerhaltigem Asphalt trotz des Transportaufwandes hinsichtlich ihrer Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit Vorteile im Vergleich zur Deponierung erbringen", erläutert David Heijkoop, Direktor von Reko B.V. „Unser Verfahren der energetischen Verwertung bietet aber vor allem eine erhebliche CO2-Einsparung. So sind die Treibhausemissionen pro Tonne Straßenaufbruch selbst bei 0 Kilometern Entfernung zwischen Entstehungsort und Deponie vorteilhafter gegenüber einer Deponierung. Mit steigender Transportentfernung zwischen Entstehungsort und Deponie wächst dieser Vorteil immer weiter an."

Bei weiterhin wachsender Nachfrage für die thermische Reinigung teerhaltigen Straßenaufbruchs in Zentraleuropa plant Reko langfristig auch den Bau einer dritten Reinigungsanlage in den Niederlanden oder auch am Standort Deutschland.

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