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Digitalisierte Nutzfahrzeuge

Übergeordnetes Thema der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge ist die Vernetzung. Sie lässt sich jedoch nur mit einer besseren Netzabdeckung gestalten.

Nutzfahrzeug_digital_IAADie verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten des vernetzten Lkw. Grafik: Mercedes Benz

Vom 22. bis 29. September läuft die 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Traditionsgemäß lädt der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter drei Monate vor Messebeginn zum Presseworkshop nach Frankfurt/Main. Hier präsentieren Vertreter der führenden Hersteller ihre Messeneuheiten und diskutieren über technische Herausforderungen sowie zukünftige Verkehrskonzepte. „Ideen sind unser Antrieb“ lautet das Motto der diesjährigen Messeausgabe. „Intelligente und nachhaltige Mobilität“ und „digitale Vernetzung“ sind die dazugehörigen Schlagworte.

Europäischer Lkw-Markt wächst

Dass sich die westeuropäische Nutzfahrzeug-Branche im Aufwind befindet, machte VDA-Präsident Matthias Wissmann in seiner Eröffnungsrede deutlich: „Im vergangenen Jahr wurden 259.000 schwere Lkw über 6 t neu zugelassen. Das war ein sattes Plus von 14 %.“ Die gleiche Prozentzahl nannte er für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres. Auch der deutsche Nutzfahrzeugmarkt ist in Bewegung: Von Januar bis Mai 2016 haben die schweren Nutzfahrzeuge um 9 % zugelegt, bei den Anhängern gab es ein Plus von 6 %. Bei den Transportern rechnet der VDA in diesem Jahr mit einem Zuwachs von 5 %. „Der Nutzfahrzeugmarkt gibt uns Rückenwind für die IAA“, sagte Wissmann. Mit Blick auf die Diesel- und Abgasmanipulationen stellte er die Stärken des Diesel-Motors heraus: „Ohne den Diesel-Motor können wir die anspruchsvollen Klimaziele nicht erreichen.“ Seit den 1970er Jahren hätten die Nutzfahrzeughersteller den Verbrauch um rund 60 % je Tonnenkilometer gesenkt. Dies sei nicht durch gesetzliche Regulierungen erreicht worden, sondern ausschließlich durch den hohen Wettbewerbsdruck. Weitere technische Innovationen zur CO2-Vermeidung verursachten hohe Entwicklungskosten. Wissmann bat die Politik um einen verlässlichen regulatorischen Rahmen und äußerte sich positiv zum angekündigten Förderprogramm für die Speditions- und Transportbranche.

Hürden des autonomen Fahrens

2014 hat Daimler mit dem Future Truck den ersten autonom fahrenden Lkw vorgestellt. Dr. Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, zeigte auf, dass das Unternehmen mit dieser Technologie ganz weit vorn liegt. Jetzt erst hätten Start-Ups im Silicon Valley autonome Trucks entdeckt. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger kommt zu dem Schluss, dass Lkw-Unfälle durch autonomes Fahren um 90 % gesenkt werden könnten. Dr. Bernhard ging auf die gesetzlichen Hürden ein, die den Weg dorthin derzeit ausbremsen: „Bevor wir über alle möglichen Fragen des vollautonomen Fahrens diskutieren, müssen wir erst mal teilautonomes Fahren ermöglichen.“ Er sprach damit die EU-Richtlinie ECE R79 an, die verbietet, das Lenkrad loszulassen, wenn der Lkw schneller als 10 km/h fährt. Schleunigst müssten Zertifizierungs- und Zulassungsvorschriften für Autopilot-Funktionen für Lkw auf den Weg gebracht werden, „sonst sind teilautonome Trucks marktreif, dürfen in Europa aber nicht auf die Straße“.

Der Entwicklungsdrang bei Daimler ist ungebrochen. Im März 2016 hat das Unternehmen bei Düsseldorf einen Platoon aus autonomen Lkw auf die A52 geschickt. Dieses Steuerungssystem ermöglicht Lkw, bei geringem Abstand sicher hintereinander zu fahren. Dr. Bernhard erklärte zudem, dass Fortschritte in der Batterie-Technik in Kürze zum Durchbruch von Elektro-Nutzfahrzeuge im Verteiler-Verkehr führen werden. Er versprach hierzu Neuigkeiten auf der IAA, nannte aber keine Details.

Alternative Antriebe sind ein wichtiges IAA-Thema. So wird Iveco den ersten Langstreckentruck mit Gasantrieb vorstellen. Wie Pierre Lahutte, Brand President Iveco S.p.A., erläuterte, soll der Verbrauch mit diesem Fahrzeug weiter gesenkt werden. Passend dazu hat Iveco gemeinsam mit dem Energieunternehmen Uniper am 28. Juni in Ulm die deutschlandweit erste Lkw-Tankstelle für Flüssiggas eröffnet.

Knackpunkt Netzabdeckung

Andreas Renschler, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, sprach über intelligente und nachhaltige Mobilität. Digitalisierung treibe die Ausnutzung der Ladekapazitäten voran, damit nicht „Luft für Milliardenbeträge durch die Gegend gefahren wird“. Durch die Automatisierung von Abläufen und Spezialaufgaben können Nutzfahrzeuge eigenständig Aufträge annehmen und ausführen. Als Beispiel nannte Renschler vollautonome Minenfahrzeuge von Scania, die sich kurz vor der Auslieferung an Kunden befänden. „Die Optimierung des Fahrzeugbetriebs durch telematikgestütztes Fahren und Parken sowie durch Echtzeitanalysen von Fahrzeugparametern wird zu einer Reduzierung von Ausfallzeiten um mehr als ein Drittel führen“, sagte Renschler weiter. Unabdingbar ist bei alledem ein lückenloses Mobilfunknetz entlang den Autobahnen. Renschlers Vorredner, Dr. Bernhard, hatte auf den Punkt gebracht, woran es bislang hapert: „Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass die LTE-Abdeckung in Deutschland nicht besser ist als in Marokko“ – eine klare Handlungsaufforderung an die Politik.

„Die Voraussetzung für Industrie 4.0 heißt Logistik 4.0“, erklärte Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands MAN Truck amp; Bus AG. Voraussetzungen dafür seien Standards für AutoID- und Sensordaten, für Datenübermittlung aus Fahrzeugen, für die Integration von Verkehrsdaten in die Logistiksteuerung und für offene, serviceorientierte Logistik-Plattformen. Nicht integrierbare Systeme hätten keine Zukunft. Auch Drees ging auf die Ausnutzung von Ladekapazitäten ein und berichtete, dass auf dem Nationalen IT-Gipfel 2015 ein Echtzeit-Marktplatz für Transportkapazität diskutiert worden ist.

Handlungsbedarf sieht die Branche beim Dauerthema Lang-Lkw, die in Feldversuchen zu einer CO2-Einsparung von 17 % geführt hätten. In Einzelfällen seien die Lang-Lkw allerdings nicht einsetzbar, weil bei Strecken von hunderten Kilometern 50 m lange Zufahrtsstraßen nicht freigegeben seien. Es gelte, derartige Hindernisse zu beseitigen.

Maßgeschneiderte Nutzfahrzeuge

Dr. Eckhard Scholz, Vorsitzender des Vorstands der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge, kündigte für die IAA die Weltpremiere des neuen 3,5 t-Fahrzeugs Crafter an und sprach in diesem Zusammenhang über Kundenorientierung. Maßgeschneiderte Nutzfahrzeuge hätten für verschiedene Einsätze geeignete Fahrzeuge verdrängt. Scholz berichtete außerdem von der gestiegenen Nachfrage nach Assistenzsystemen.

Unter dem Namen FleetBoard hat Mercedes seine Telematik Services gebündelt. Das Menü Dispo.Pilot unterstützt den Disponenten, per driver.app erfährt der Fahrer, wie er seine Fahrweise optimieren kann. „Das spart unseren Kunden schon heute bis zu 15 % Diesel und Verschleißteile“, summierte Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Lkw. FleetBoard ist als offenes System ausgelegt, mehr als 180.000 Fahrzeuge sind bereits vernetzt.

Ab der IAA ist Mercedes-Benz Uptime bestellbar. Dieser Service unterstützt in dreierlei Hinsicht: Erstens bei kleineren Wartungsarbeiten, die Kunden selbst durchführen können, zweitens bei Werkstatt- und Ersatzteil-Terminierung, drittens bei akuten technischen Problemen im laufenden Betrieb. „Statt – wie bisher – auf Pannen nur reagieren zu können, können wir mit Uptime vorbeugen und Pannen vermeiden. Der vernetzte Lkw erkennt, wenn sich ein Problem abzeichnet und er meldet dieses Problem so rechtzeitig, dass wir gemeinsam mit unseren Kunden ein Liegenbleiben verhindern können“, so Buchner.

Die technischen Möglichkeiten sollen den Kunden unterstützen und ihn nicht überfordern, sagte Henrik Henriksson, President und CEO der Scania Group: „Unsere Kunden sind mittelständische Familienbetriebe. Wir müssen ihnen helfen, sich mit den neuen Technologien zurechtzufinden.“ Geboten sei, Interessenten die eigenen Vorteile aufzuzeigen, die der Kauf eines bestimmten Nutzfahrzeugs mit sich bringe. (David Spoo)

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Foto: Foto: Daimler AG

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… dass Lkw-Fahrer bald während der Fahrt lesen können?

Brummifahrer haben es schwer. Das Image in der Bevölkerung ist mies, die Arbeit überwiegend eintönig. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Unfallgefahr hoch. Das aber könnte sich ändern, wenn der Truck der Zukunft Realität wird.

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